Noam Bettan 21. Mai 2026

Zweiter

Trotz Boykottaufrufen und Protesten hat Israels Eurovision-Teilnehmer Noam Bettan beim Eurovision Song Contest 2026 in Wien den zweiten Platz erreicht. Mit seinem Lied «Michelle» erhielt der israelische Sänger insgesamt 343 Punkte und musste sich von nur der bulgarischen Sängerin Dara geschlagen geben, die mit 516 Punkten den ersten Eurovision-Sieg für Bulgarien holte. Die Teilnahme Israels stand erneut im Zentrum politischer Spannungen. Spanien, die Niederlande, Irland, Slowenien und Island boykottierten den Wettbewerb wegen des Gaza-Kriegs und der israelischen Teilnahme. Dadurch schrumpfte das Teilnehmerfeld auf 35 Länder, so wenige wie seit 2003 nicht mehr. Bereits am Freitag hatten Hunderte Menschen in Wien unter dem Motto «No stage for genocide» gegen Israels Teilnahme demonstriert. Auch während der Proben und Live-Shows kam es vereinzelt zu Protesten. Im Halbfinale rief ein Demonstrant «Free Palestine» und «Stop the genocide», bevor er aus der Halle entfernt wurde. Beim Finale waren einzelne Buhrufe zu hören, die jedoch weitgehend im Publikumslärm untergingen. Bettan zeigte sich davon unbeeindruckt und absolvierte seinen Auftritt souverän. Die israelische Performance setzte bewusst auf eine reduzierte Inszenierung mit einem grossen Diamanten als zentralem Bühnenelement. Besonders stark schnitt Israel beim Publikumsvoting ab: 220 der 343 Punkte stammten von den Zuschauern zu Hause. Für Aufmerksamkeit sorgte auch der moldawische Teilnehmer Satoshi, der Bettan öffentlich vor Kameras umarmte. In den vergangenen Jahren hatten viele Eurovision-Kandidaten öffentliche Nähe zur israelischen Delegation eher vermieden.

Emily Langloh