USA – Politik 21. Mai 2026

«Linkshänder, schwul und jüdisch»

Barney Frank im Jahr 2022.

Ex-Kongressabgeordneter Barney Frank verstorben.

Gestern Mittwoch ist Barney Frank in häuslicher Hospizpflege in Ogunquit, Maine, im Alter von 86 Jahren einer Herz-Insuffizienz erlegen. Er hat dort mit seinem Ehemann Jim Ready gelebt. Der Demokrat hat von 1973 bis 1981 einen Sitz im Gliedstaats-Parlament von Massachusetts vertreten und hielt anschliessend bis 2013 ein Mandat im US-Kongress. Hier wurde der Progressive landesweit durch seinen bissigen Humor, ein mitunter derbes Auftreten und unermüdlichen Einsatz für die Gleichberechtigung von LGBTQ-Amerikanern landesweit bekannt. Er hat zudem nach der Finanzkrise 2008/9 mit dem Senator Chris Dodd das grosse, nach beiden benannte, «Dodd-Franks»-Reformgesetz für die Geldbranche erarbeitet.

Frank war dabei stets ein Pragmatiker und offen auch über persönliche Dinge. Nachrufe würdigen den bekennenden Homosexuellen als «Typus des jüdischen Amerikaners, der heute beinahe schon anachronistisch wirkt: ein Zionist, dessen Unterstützung für den jüdischen Staat untrennbar mit seinen progressiven Werten verknüpft war.» Er war stolz darauf, sich «Amerikas einzigen linkshändigen, schwulen und jüdischen Kongressabgeordneten» zu nennen und widerlegte Behauptungen, wonach Homosexuelle beim Militär die Moral der Truppe untergrüben, mit dem Hinweis auf Israel, wo es dieses Verbot nicht gebe: «Die IDF ist eindeutig eine schlagkräftige Kampftruppe. Dies entkräftet das Argument, dass der Militärdienst von Homosexuellen irgendwie zersetzend wirkt.»

Frank wuchs in Bayonne, New Jersey, in einem vom Arbeiter-Zionismus geprägten Elternhaus auf und hat in späteren Jahren den Rechtsruck in Israel zunehmend kritisiert. Eine seiner letzten Forderungen lautete, die USA sollten der Netanyahu-Regierung jegliche militärische Unterstützung entziehen: «…angesichts dessen, was sie im Westjordanland zulassen, ist es moralisch und politisch geboten, die Unterstützung für Israels militärische Aktivitäten zu verwerfen.»

Frank hat an der Harvard University studiert und ging vor seinem Jus-Abschluss im Sommer 1964 nach Mississippi, um dort Schwarze erstmals als Wähler zu registrieren. Er war indes schon als Junge an Gleichberechtigung interessiert und soll angeblich als Fan der New York Yankees einen Scout des Baseball-Teams gefragt haben, warum die Mannschaft keine schwarzen Spieler habe.

Im Kongress machte sich Frank einen Ruf als Kämpfer und konnte durch rückhaltlose Offenheit auch den Tiefpunkt seiner Laufbahn überwinden. 1989 wurde bekannt, dass sein damaliger Lebensgefährte von der gemeinsamen Wohnung aus einen Escort-Service betrieb. Frank gestand den Fehler offen ein stellte sich seiner Wählerschaft für Fragen und Kritik. So seien Wähler zu dem Schluss gekommen: «Er hat hart gearbeitet. Er hat Mist gebaut – aber das passiert jedem mal.»

Frank hat bis zuletzt an einem Buch über die Lage der Nation mit dem Titel «The Hard Path to Unity» (Der steinige Weg zur Einheit) gearbeitet, das im September erscheinen soll. In Interviews dazu kritisierte er die Neigung der Partei-Linken, «kulturelle Fragen» wie Trans-Rechte übermässig und auf zu extreme Weise in den Vordergrund ihrer Agenda zu stellen. Kulturelle Veränderungen sollten seiner Meinung nach schrittweise erfolgen. Es habe Jahrzehnte gedauert, bis die amerikanische Gesellschaft die gleichgeschlechtliche Ehe akzeptierte (Link).

Redaktion