Umfragen sehen Israels Opposition weiter ohne klare Mehrheit.
Trotz wachsender Unzufriedenheit mit der Regierung von Premierminister Binyamin Netanyahu gelingt es dem oppositionellen Lager in Israel laut neuen Umfragen weiterhin nicht, aus eigener Kraft eine parlamentarische Mehrheit zu erreichen. Mehrere Erhebungen zeigen, dass die jüdischen Oppositionsparteien auch nach neuen Bündnissen unter der entscheidenden Marke von 61 Sitzen bleiben – sofern arabische Parteien ausgeschlossen werden.
Im Zentrum steht das neue Bündnis „Together“ des früheren Premiers Naftali Bennett und Oppositionsführers Yair Lapid. Zwar konnte das Bündnis laut Channel-12-Umfragen seine Position stärken, doch die Opposition käme gemeinsam mit anderen zionistischen Parteien weiterhin nur auf rund 58 bis 60 Sitze. Die Parteien der arabischen Minderheit würden dagegen etwa zehn Mandate erreichen und könnten damit erneut zum Zünglein an der Waage werden.
Mehrere Oppositionsführer lehnen jedoch eine Regierungskoalition mit arabischen Parteien bislang kategorisch ab. Beobachter sehen darin ein strategisches Dilemma: Einerseits wächst der Wunsch nach einem Machtwechsel, andererseits erschwert die politische Ausgrenzung arabischer Parteien die Bildung einer stabilen Alternative zu Netanyahu.
Die Debatte gewinnt zusätzlich an Bedeutung, nachdem die Knesset am Mittwoch in erster Lesung für ihre Auflösung gestimmt hat. Damit rückt eine vorgezogene Neuwahl näher, möglicherweise bereits im Herbst dieses Jahres. Hintergrund sind Spannungen innerhalb der Regierungskoalition, insbesondere mit ultraorthodoxen Parteien wegen der Wehrpflichtfrage.