Die Debatte um die geplante Einführung einer ganzjährigen Sommerzeit in den USA erhält unerwarteten Widerstand aus jüdischen orthodoxen Kreisen. Während viele Amerikaner die Abschaffung der halbjährlichen Zeitumstellung begrüssen, warnen orthodoxe Rabbiner und Verbände vor erheblichen Auswirkungen auf das religiöse Leben. Im Zentrum steht das Morgengebet Schacharit, das traditionell nach Sonnenaufgang und möglichst im Minjan, also im Gebetsquorum von zehn Erwachsenen, stattfindet. Würde die Sommerzeit ganzjährig gelten, ginge die Sonne im Winter vielerorts erst nach 8 oder sogar 9 Uhr auf. Berufstätige müssten sich deshalb zwischen der Teilnahme am gemeinsamen Gebet und einem pünktlichen Arbeitsbeginn entscheiden. Mehrere orthodoxe Organisationen setzen sich deshalb für eine dauerhafte Normalzeit oder zumindest gegen eine permanente Sommerzeit ein. Sie argumentieren, dass die vorgeschlagene Regelung Tausenden Gläubigen die tägliche Religionsausübung erschweren würde. Betroffen wären auch muslimische Gemeinden, deren Morgengebete ebenfalls vom Sonnenaufgang abhängen. Die Diskussion reicht über religiöse Fragen hinaus. Schlafmediziner und Chronobiologen warnen seit Jahren, dass eine ganzjährige Sommerzeit den biologischen Rhythmus stören könnte. Spätere Wintersonnenaufgänge werden mit Schlafmangel, Konzentrationsproblemen und einem erhöhten Unfallrisiko am Morgen in Verbindung gebracht.
Washington
24. Jul 2026
Orthodoxe wehren sich
Redaktion