usa 11. Sep 2026

Jüdisches Leben vor und nach 9/11

Ein Blick auf die jüdischen Nachrichten unmittelbar vor den Anschlägen vom 11. September 2001 zeigt, wie viele Konflikte der Gegenwart bereits damals angelegt waren. Der islamistische Terror veränderte zugleich das Sicherheitsgefühl amerikanischer Juden grundlegend. Am 10. September 2001 meldete die JTA die Wiedereröffnung der New Yorker Central Synagogue. Das Gotteshaus war nach einem Brand drei Jahre lang geschlossen gewesen. Einen Tag später griffen Terroristen das World Trade Center und das Pentagon an. Die hoffnungsvolle Nachricht von der Rückkehr der Gemeinde erhielt damit eine düstere Bedeutung. Zum 25. Jahrestag erinnert der Blick zurück an die Themen: Israel befand sich mitten in der zweiten Intifada. In Jerusalem waren innerhalb von zwölf Stunden vier Autobomben explodiert. Zugleich eskalierte bei der Uno-Antirassismuskonferenz in Durban die Agitation gegen Israel. Die USA und Israel zogen ihre Delegationen zurück. Auch an amerikanischen Hochschulen kündigten sich spätere Entwicklungen an. Propalästinensische Aktivisten planten eine Kampagne, um Universitäten zum Rückzug von Investitionen aus Unternehmen mit Israel-Geschäften zu bewegen. Jüdische Vertreter glaubten noch, die Bewegung werde kaum Unterstützung finden. Daraus entwickelte sich später die internationale BDS-Kampagne. Nach 9/11 entstand zunächst das Bild, Israel und die USA kämpften gegen denselben islamistischen Terror. Mit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 folgte jedoch ein weiterer Einschnitt. Inzwischen sei die in Durban sichtbar gewordene Dämonisierung Israels in Teilen der Linken zum Mainstream geworden, schreibt Silow-Carroll. Auch die Lage amerikanischer Juden habe sich verändert: Synagogen beschäftigen bewaffnete Sicherheitskräfte und führen Übungen für Amoklagen durch. Rechtsextreme Täter verübten tödliche Anschläge auf jüdische Einrichtungen. Die Wiedereröffnung der Central Synagogue erscheint deshalb im Rückblick wie ein trügerischer Morgen vor einer Epoche, in der Terrorismus, Antisemitismus und der Streit um Israel das jüdische Leben zunehmend bestimmen sollten.

Redaktion