Die israelische Judoka Raz Hershko hat wenige Tage nach einer dramatischen Evakuierung aus Usbekistan überraschend eine Goldmedaille gewonnen. Die Olympia-Silbermedaillen-Gewinnerin von Paris 2024 musste ein Turnier in Taschkent kurzfristig verlassen, nachdem der israelische Inlandsgeheimdienst Shin Bet die dortige Delegation angewiesen hatte, das Land sofort zu verlassen. Hershko war erst kurz zuvor nach Usbekistan gereist, um am Grand Slam in Taschkent teilzunehmen. Die Reise sollte nur wenige Tage dauern, doch der Krieg und die damit verbundenen Sicherheitsentwicklungen führten zu einer plötzlichen Änderung der Pläne. Mitten in der Nacht erhielt das israelische Team die Anweisung, umgehend abzureisen. Die Delegation flog noch in derselben Nacht nach Österreich. Für Hershko bedeutete dies, dass sie nicht einmal zu ihrem geplanten Wettkampf antreten konnte. Die Judoka hatte bereits das offizielle Wiegen absolviert und war auf den Wettkampftag vorbereitet. «Wie kann mir das schon wieder passieren?», fragte sie sich später. Bereits im vergangenen Jahr hatte sie wegen der Sicherheitslage eine Weltmeisterschaft verpasst. In Österreich bot sich jedoch eine unerwartete Chance. Das israelische Team konnte kurzfristig beim Grand Prix in Linz antreten. Hershko stellte sich rasch auf die neue Situation ein und gewann in der Gewichtsklasse über 78 Kilogramm die Goldmedaille. Trotz des Erfolgs blieb bei ihr ein Gefühl der Frustration über die verpasste Gelegenheit in Taschkent. Gleichzeitig betonte sie, dass solche Situationen zur Realität in Israel gehörten. Wenn sie mit ihren Erfolgen zumindest «einem Menschen ein kleines Lächeln» schenken könne, sei das bereits viel, sagte Hershko nach ihrem Sieg.
Raz Hershko
20. Mär 2026
Goldmedaille
Emily Langloh