Gloria Steinem 11. Sep 2026

Erinnerung

Die amerikanische Frauenrechtlerin und Journalistin Gloria Steinem ist im Alter von 92 Jahren in ihrem Haus in New York gestorben. Über mehr als ein halbes Jahrhundert gehörte sie zu den bekanntesten Stimmen der Frauenbewegung in den USA und prägte insbesondere deren zweite Welle in den 1960er- und 1970er-Jahren. Steinem setzte sich für politische und gesellschaftliche Gleichberechtigung, reproduktive Rechte und gegen sexuelle Belästigung ein. 1972 gründete sie das feministische «Ms.»-Magazin mit und war zudem an der Gründung des National Women’s Political Caucus beteiligt. Auch ihre jüdischen Wurzeln spielten in Steinems Leben eine besondere Rolle. Ihr Vater Leo war Jude, ihre Mutter Protestantin; religiös erzogen wurde Steinem kaum. Dennoch verstand sie ihre jüdische Herkunft zunehmend als Teil ihrer Identität. Besonders angesichts von Antisemitismus bekannte sie sich ausdrücklich zum Judentum. Ihre Grossmutter Pauline Steinem war selbst eine Pionierin: Die Frauenrechtlerin und Pädagogin engagierte sich für das Frauenwahlrecht, wurde als erste Frau in den Schulrat von Toledo gewählt und half in den 1930er-Jahren, Familienangehörige vor den Nationalsozialisten aus Europa zu retten. Eine wichtige Verbindung zum Judentum fand Steinem später in feministischen Pessach-Sedern, an denen sie über Jahrzehnte teilnahm. Gemeinsam mit ihrer Schwester Susanne schenkte sie dem US Holocaust Memorial Museum zudem einen Katalog mit Schmuckstücken, die NS-Opfern geraubt worden waren, zum Gedenken an ihre Grossmutter. Bis ins hohe Alter blieb Steinem publizistisch und politisch aktiv. Ihr letztes Buch «An Unexpected Life» soll noch in diesem Monat erscheinen.

Emily Langloh