Jeremy Thomas 18. Sep 2026

Abschied

Der britisch-jüdische Filmproduzent Jeremy Thomas ist im Alter von 77 Jahren gestorben. Wie sein Team mitteilte, starb er im Kreis seiner Familie in seinem Haus in Oxfordshire. Thomas galt als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten des internationalen Independent-Kinos und produzierte in seiner mehr als fünf Jahrzehnte langen Karriere über 80 Filme. Seinen grössten Erfolg feierte er mit Bernardo Bertoluccis «Der letzte Kaiser» von 1987. Das Historienepos über den chinesischen Kaiser Pu Yi gewann neun Oscars, darunter jenen für den besten Film, sowie vier Golden Globes. Thomas arbeitete insgesamt an fünf Filmen mit Bertolucci zusammen und pflegte auch mit anderen renommierten Regisseuren langjährige Partnerschaften. Zu seinen Produktionen zählen zudem David Cronenbergs «Crash», Jonathan Glazers Regiedebüt «Sexy Beast», Nagisa Oshimas «Furyo – Merry Christmas, Mr. Lawrence» mit David Bowie sowie Matteo Garrones «Pinocchio». Jerzy Skolimowskis «EO», an dem Thomas ebenfalls beteiligt war, erhielt 2022 in Cannes den Preis der Jury. Thomas wurde 1949 in London in eine Filmfamilie geboren. Sein Vater Ralph und sein Onkel Gerald Thomas waren Regisseure. Seine jüdische Identität thematisierte Thomas unter anderem in der Dokumentation «The Storms of Jeremy Thomas»: Auf dem Weg zum Filmfestival in Cannes besuchte er das ehemalige Internierungslager Drancy bei Paris, von wo aus während der Schoah Zehntausende Juden deportiert wurden. Nach ersten Arbeiten im Filmschnitt wechselte Thomas zur Produktion und gründete die Recorded Picture Company. 2006 erhielt er den Europäischen Filmpreis für seine Verdienste um das Weltkino. Bis zuletzt blieb Thomas beruflich aktiv.

Emily Langloh