In seiner Begrüssungsrede zur SIG-DV zog Präsident Ralph Friedländer eine positive Bilanz zum Jahr 2025: «Das Jahr 2025 war ein Jahr, das uns geprüft hat. Ein wichtiger Schritt war die Verabschiedung der nationalen Strategie gegen Rassismus und Antisemitismus, die nun umgesetzt werden muss. In Bezug auf Sicherheit konnten wir zusammen mit Bund und Kantonen die Sicherheitslage verbessern. Dank des Engagements des SIG werden Nazi-Symbole in der Schweiz endlich verboten. Der SIG hat sich gegen Antisemitismus eingesetzt, sei es von links oder von rechts.» Friedländer betonte die Wichtigkeit des Vertrauens in den Schweizer Staat: «Eine humanitäre und demokratische Schweiz ist die Grundlage für jüdisches Leben. Neben aller Kritik muss festgehalten werden: Die Schweiz ist ein starker Rechtsstaat mit einer starken Zivilgesellschaft, auch wenn es anders aussieht, als wir es wünschten.» Seine Rede endete Friedländer mit Optimismus: «Ich bin überzeugt: Es ist nicht naiv, Lichtblicke zu sehen, sondern notwendig. Unsere Gemeinden sind lebendig, ebenso unsere Schulen und die kulturellen Institutionen.» Als sein Leitmotiv nannte er den hebräischen Spruch «Achdut bli achidut» – Einigkeit ohne Einheitlichkeit. Regierungspräsident des Kantons Basel-Stadt, Conradin Cramer, begrüsste die Delegierten in Basel: «Gemeinden verbinden Menschen auch in schwierigen Zeiten, und unsere Zeiten sind gerade nicht leicht. Jüdische Gemeinden in der Schweiz sind mit ihrer Dialogbereitschaft ein Sinnbild für demokratische Gesellschaft.» Gleichzeitig betonte er die historische sowie gegenwärtige Verantwortung des Kantons: «Stolz sind wir darauf, dass der Zionistische Weltkongress in Basel stattgefunden hat, und auf das Jüdische Museum. Stolz sind wir auch auf die drei jüdischen Gemeinden in Basel. Trotzdem bedauern wir sehr, dass der Kanton Basel-Stadt während der NS-Zeit jüdische Flüchtlinge an den Grenzen abgewiesen hat. Mir ist auch der erschreckende Antisemitismus seit dem 7. 10. bewusst. In Basel haben Politik und Behörden die Aufgabe, jüdisches Leben zu schützen. Diese Aufgabe nehmen wir ernst.» Auffallend war allerdings, dass keine weiteren Gäste aus Politik, Vertretungen von Institutionen oder Religionsgemeinschaften vor Ort waren neben den rund 90 Delegierten. Finanziell war 2025 für den SIG nach jahrelangen teils sehr hohen Defiziten ein gutes Jahr. 2025 endete im kleinen Überschuss. Man geht also von einem guten Jahresabschluss aus. Gründe dafür seien Wertschriftenerfolg, hohe zweckgebundene Spenden und Sparmassnahmen. Ob die gute Finanzlage so bleibt, hänge aber von einer verantwortlichen Geschäftsführung ab, berichtete Vizepräsident Ralph Lewin. Die getätigten Investitionen seien eher riskant gewesen: Aufgrund niedriger Zinsen für den Franken müsse man stark auf Aktien setzen. Das Risiko scheint sich allerdings zu lohnen.
Reden
05. Jun 2026
«Es ist nicht naiv Lichtlblicke zu sehen»
Uri Binnun