Hintergrund 21. Mai 2026

Antisemitismus und Attentate

In den letzten zwei Monaten gab es mehr als ein Dutzend Angriffe auf jüdische Einrichtungen in ganz Europa. Zwei der Aufsehen erregendsten Anschläge ereigneten sich in London, wo im vergangenen Monat zwei Menschen niedergestochen wurden, und zwar in demselben jüdischen Viertel, in dem Brandstifter im März vier von Juden betriebene Krankenwagen in Brand gesetzt hatten. Ebenfalls gab es Anschläge in den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Deutschland. Eine obskure Gruppe namens Harakat ashab al-yamin al-islamiyya, die laut Anti-Terror-Beamten Verbindungen zum Iran haben könnte, hat sich zu vielen der Vorfälle bekannt. Selbst wenn die Angriffe Teil eines iranischen Komplotts zur Destabilisierung des Westens sind, erscheinen sie vielen europäischen Juden nur als das jüngste Kapitel einer langen und allzu vertrauten Geschichte. Vor diesem Hintergrund habe ich mit der Historikerin Flora Cassen von der Brandeis University zu ihrem neuen Buch «Stained Glass: A Reflective History of Antisemitism» gesprochen. In einer ungewöhnlichen Mischung aus historischem Werk und Memoiren betrachtet Cassen das jüdische Leben im heutigen Westeuropa durch die Linse ihres akademischen Fachgebiets: das Judentum im Mittelalter und Antisemitismus. Cassen leitet das Brandeis Center for Jewish Studies und dessen Sarnat Center for the Study of Anti-Jewishness. Sie ist auch Senior Fellow am Shalom Hartman Institute.

Redaktion