biel 14. Jan 2022

Neuer Synagogenboden

Im August 2020 beschloss die Generalversammlung der Jüdischen Gemeinde Biel, das Gemeindelokal in der Bieler Innenstadt aus finanziellen Gründen aufzugeben und neu im hinteren Teil der Synagoge einen Gemeindesaal einzurichten. Vor dem Umzug wurde der Synagogenboden, der an mehreren Stellen durchhing, einer Renovation unterzogen. Die Arbeiten, koordiniert vom Architekten Isaac Rachamin, starteten Mitte Juni, wie Daniel Frank, Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde Biel, tachles gegenüber mitteilt. Frank erklärt weiter: «Der Erhalt und die Aufbereitung des alten Bodens war zwar die etwas teurere Variante, aber da wir über keinen externen Gemeindesaal mehr verfügen, entschieden wir uns dafür, den ursprünglichen Baustil des Synagogenbodens zu erhalten und der Gemeinde auch für die Zukunft ein solides Fundament zu geben.» Das Ganze dauerte bis Ende August, der Umzug des Gemeindesaals erfolgte im November. Für eine umfassende Instandsetzung des Dachstocks, wo sich der Gemeindesaal nach dem Bau der Synagoge in den 1880er-Jahren befand, reichten die Mittel nicht aus, so Frank. «Wir haben aber radikal aufgeräumt und fanden dabei alte rituelle Gegenstände, Gebetsbücher und Drucksachen aus den Gründerjahren der Gemeinde, die wir unter anderem dem Jüdischen Museum der Schweiz übergaben», erklärt er weiter. Ein weiteres Stück Gemeindegeschichte kam unter dem Boden zutage, in Form eines Zeitungsausschnitts aus dem «3. Blatt zur Berner Tagwacht» vom 27. April 1945 mit einem Artikel über die Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald durch die Alliierten. Der Fund, so Frank, deutet darauf hin, dass kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs der Synagogenboden bereits einmal renoviert worden sei. Die Synagogentür, die im letzten Februar Opfer antisemitischer Vandalen wurde, habe man ebenfalls renoviert und durch einen lokalen Künstler aus dem Seeland neu gestalten lassen, so Frank. Das entsprechende Strafverfahren wurde mangels Indizien bis auf Weiteres sistiert.

Jaschar Dugalic