sicherheit 06. Mär 2026

Jüdische Ziele im Ausland

Der iranische Anschlag gegen das jüdische Gemeindezentrum in Buones Aires im Jahre 1994 schürt bis heute Angst vor Terror des Mullah-Regimes gegen jüdische Gemeinden.

Weltweit warnen Sicherheitsbehörden vor iranischen Angriffen gegen die jüdische Gemeinschaft, konkrete Hinweise bleiben bislang begrenzt – auch in der Schweiz.

Der Krieg zwischen Israel, den USA und Iran verschärft weltweit die Sicherheitsdebatte um jüdische Einrichtungen. Behörden und Gemeinden reagieren mit erhöhter Wachsamkeit – doch konkrete Hinweise auf eine koordinierte Angriffswelle durch das iranische Regime im Ausland gibt es bislang kaum.

In Deutschland warnen Sicherheitsbehörden, dass der Krieg die Gefährdungslage beeinflusst. Jüdische und US-amerikanische Einrichtungen gelten als mögliche Ziele; die Gefahr könne wachsen, heisst es aus dem Umfeld der Innenministerien. Zugleich betonen Ländervertreter, es gebe derzeit keine Hinweise auf konkrete Anschlagspläne, während bestehende Schutzmassnahmen – etwa verstärkte Polizeipräsenz – weiter auf hohem Niveau bleiben. Der deutsche Antisemitismusbeauftragte Felix Klein warnte vor erhöhter Sorge vor Angriffen auf jüdische Einrichtungen infolge der Eskalation.

Vorsorgemassnahmen
Parallel zeigen internationale Beispiele eine ähnliche Entwicklung: In New York verstärkte die Polizei ihre Präsenz rund um jüdische Einrichtungen deutlich und setzte zusätzliche Anti-Terror-Einheiten ein – ausdrücklich als Vorsorgemassnahme in einem angespannten Bedrohungsumfeld. Auch europäische Regierungen reagierten mit erhöhter Alarmbereitschaft nach den Luftangriffen auf Iran, wie internationale Berichte festhalten.

Analysen betonen zugleich, dass das iranische Regime seit Jahren als Akteur gilt, der antisemitische Narrative verbreitet und über Stellvertreterorganisationen operiert. So warnte der World Jewish Congress jüngst, Teheran exportiere Antisemitismus und gefährde jüdische Gemeinden weltweit. Dennoch bleibt der Schritt von ideologischer Feindbildpolitik zu konkreten Anschlägen empirisch schwer nachweisbar.

Auch in der Schweiz verfolgen Behörden und Gemeinden die Lage aufmerksam. Für den aktuellen Iran-Krieg haben Bundesstellen bislang keine öffentlich kommunizierten spezifischen Verschärfungen bekanntgegeben. Besondere Aufmerksamkeit gilt Genf als internationalem Standort zahlreicher Organisationen und wiederkehrendem Schauplatz diplomatischer Kontakte im Iran-Dossier. Jüdische Gemeinden und Institutionen haben gemäss Abklärungen von tachles Sicherheitsmassnahmen generell verstärkt.

Die derzeitige Lage deutet damit auf ein bekanntes Muster: Sicherheitsbehörden rechnen mit möglichen Vergeltungsakten durch Einzeltäter oder Netzwerke, verstärken Schutzmassnahmen und warnen öffentlich vor Risiken – gleichzeitig fehlen bislang belastbare Hinweise darauf, dass Teheran aktuell eine koordinierte Kampagne gegen jüdische Ziele im Ausland gestartet hat. Dass die Befürchtungen in der Tat begründet sind, zeigt die lange Geschichte von Terror Irans gegen jüdische Gemeinschaften.

Blick in die Geschichte
Die Sorge vor möglichen Angriffen speist sich auch aus der bisherigen Praxis iranischer Operationen im Ausland. Sicherheitsbehörden verweisen darauf, dass Teheran in den vergangenen Jahrzehnten wiederholt mit Anschlägen oder vereitelten Plänen gegen jüdische und israelische Ziele in Verbindung gebracht wurde – häufig über Geheimdienststrukturen oder verbündete Netzwerke wie die Hisbollah. Zu den bekanntesten Fällen zählen die Anschläge auf die israelische Botschaft in Buenos Aires 1992 und auf das jüdische Gemeindezentrum AMIA 1994, bei denen argentinische Ermittler iranische Verantwortliche benannten. 2012 wurden bei einem Bombenanschlag auf israelische Touristen im bulgarischen Burgas fünf Israelis und ein Bulgare getötet; auch hier machten Ermittler die Hisbollah verantwortlich. In Europa wurden in den vergangenen Jahren mehrfach mutmassliche Ausspäh- und Anschlagspläne aufgedeckt: Deutsche Behörden nahmen 2018 einen Mann fest, der für iranische Dienste jüdische und israelische Einrichtungen ausgespäht haben soll; 2022 ermittelten Sicherheitsbehörden in Deutschland wegen möglicher Anschlagsvorbereitungen auf jüdische Ziele im Zusammenhang mit iranischen Netzwerken. Auch in anderen Regionen gab es vereitelte Pläne, etwa gegen israelische Ziele in Zypern oder Südostasien.

Uri Binnun