Holocaust-Entschädigung 20. Aug 2026

Yehuda Kaploun verblüfft mit grossem Versprechen

Yehuda Kaploun mit Donald Trump im Jahr 2024.

Der Rabbiner und Antisemitismus-Beauftragte des US-Aussenministeriums will bis zum Ende der Trump-Präsidentschaft sämtliche Entschädigungs-Fragen aus dem Holocaust regeln.  

Wie nun vom «Jewish Insider» vermeldet, hat Yehuda Kaploun als Antisemitismus-Beauftragter des US-Aussenministeriums im Juli auf der Jahrestagung des Vorstands der Conference on Jewish Material Claims Against Germany (Claims Conference) in New York ein epochales Versprechen abgelegt: Er werde alle verbleibenden Fragen der Holocaust-Entschädigung innerhalb der nächsten zweieinhalb Jahre, also noch vor dem Ende der Amtszeit von Präsident Trump, klären. Hintergrund sind anscheinend Überlegungen in der Trump-Regierung, das Büros des Sondergesandten für Holocaust-Fragen im State Department mit dem Amt Kaplouns zusammen zu legen. 

Kaploun soll an der Tagung sehr selbstbewusst aufgetreten sein: aufgrund seiner Verbindungen werde er in Zusammenarbeit mit anderen Mitgliedern der Trump-Administration seit Jahrzehnten bestehende, diplomatischen Schwierigkeiten bei Entschädigungsbemühungen relativ zügig ausräumen können. Teilnehmer sollen die Ansage «überrascht» aufgenommen haben. Denn Insider wissen aus eigener Erfahrung nur zu gut, dass Entschädigungs- und Restitutionsforderungen seit den Anfängen in der frühen Nachkriegszeit immense politische, rechtliche und wirtschaftliche Hürden zu überwinden haben. 

Während Mark Weitzman als Geschäftsführer der mit der Claims Conference assoziierten World Jewish Restitution Organization offiziell positiv auf Kaplouns Ankündigung reagiert: «Wir begrüssen das anhaltende Engagement der US-Regierung, die Holocaust-Entschädigung als oberste und dringende Priorität zu behandeln. Da immer mehr Überlebende sterben, drängt die Zeit», verwies mit dem Jus-Professor Michael Bazyler ein Experte auf wichtige Widerstände: So stelle Polen das grösste verbleibende Hindernis für eine Beilegung von Entschädigungs-Forderungen im Wert von Milliarden Dollar dar, da es als einziges EU-Land trotz jahrzehntelangen Drucks der Claims Conference und Washingtons kein Gesetz zur Regelung der Entschädigungsverfahren verabschiedet habe: «Wenn Botschafter Kaploun sagt: `Ich kann das lösen´, habe ich keine Ahnung, wovon er spricht», so Bazyler.

Der Jurist Menachem Rosensaft weisst auf die Sensibilität der Thematik hin: «Das ist eine unglaublich heikle, äusserst sensible Angelegenheit. Man kann nicht mit dem Vorschlaghammer auf Länder wie Polen oder Litauen losgehen, die aus den verschiedensten Gründen zögern oder nicht bereit sind, Wiedergutmachung zu leisten. Es bedarf diplomatischer Subtilität und Finesse.» Die Vorstellung, diese Probleme seien in ein, zwei Jahren zu lösen, sei «illusorisch» (Link).

Andreas Mink