Verdacht auf Manipulation von Polymarket.
Kurz vor den israelischen Parlamentswahlen sorgt die Wettplattform Polymarket für Diskussionen. Mehrere ungewöhnlich hohe Wetten auf einen Wahlsieg von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu haben Spekulationen ausgelöst, ob Personen aus seinem Umfeld gezielt versuchen könnten, die Marktprognosen zu beeinflussen.
Polymarket gilt als sogenannter Prognosemarkt: Nutzer setzen mit echtem Geld auf politische Ereignisse, wodurch die Quoten oft als Indikator für die erwarteten Wahlausgänge betrachtet werden. In den vergangenen Tagen stiegen Netanyahus Siegchancen dort deutlich an – obwohl zahlreiche Meinungsumfragen weiterhin ein Kopf-an-Kopf-Rennen oder Vorteile für die Opposition sehen.
Nach Recherchen der Tageszeitung «Haaretz» konzentrieren sich die auffälligen Einsätze auf wenige Konten, die mit hohen Summen auf Netanyahu setzen. Dadurch könne der Marktpreis beeinflusst und der Eindruck entstehen, seine Wahlchancen seien deutlich besser als in den Umfragen. Konkrete Beweise für eine koordinierte Aktion oder eine Verbindung zum Premierminister gibt es bislang jedoch nicht. Haaretz spricht deshalb von einem Verdacht, nicht von einem nachgewiesenen Manipulationsversuch.
Experten weisen darauf hin, dass Prognosemärkte grundsätzlich anfällig für gezielte Einflussnahmen sein können, insbesondere wenn einzelne Akteure bereit sind, hohe Geldbeträge einzusetzen. Gleichzeitig können solche Märkte trotz kurzfristiger Verzerrungen langfristig wieder zu realistischeren Einschätzungen zurückkehren, sobald weitere Marktteilnehmer reagieren.
Der Fall verdeutlicht die wachsende Bedeutung von Wettmärkten im politischen Wettbewerb. Sie werden zunehmend neben klassischen Umfragen als Stimmungsbarometer wahrgenommen – was sie zugleich anfällig für den Vorwurf macht, nicht nur Meinungen abzubilden, sondern diese auch beeinflussen zu können.