USA – Israel 23. Sep 2026

Welle von Demos rund um Netanyahu

Binyamin Netanyahu verursacht mit seinem Auftritt vor der UN Protest und Kundgebungen.

In New York City ruft ein breites Spektrum von Organisationen zum Besuch des israelischen Premiers zu Demonstrationen auf.  

Kurz vor den Wahlen in Israel stiftet Binyamin Netanyahu zumindest in New York City seltene Einigkeit. Für seinen Kurzbesuch für die UN-Vollversammlung hat ein breites Spektrum von Organisationen Kundgebungen angekündigt. Dabei halten etablierte jüdische Verbände, jüdische Linke aus den USA und Israeli, sowie antizionistische Aktivisten allerdings jeweils eigene Events ab – und dies mit ganz unterschiedlichen Botschaften.

Heute Mittwoch veranstalten grosse Organisationen wie die UJA-Federation of New York, das Jewish Community Relations Council of New York, die Anti-Defamation League, das American Jewish Committee, die Conference of Presidents, die Union for Reform Judaism, die United Synagogue of Conservative Judaism, die Yeshiva University, der Israeli American Council und StandWithUs um 17 Uhr eine Kundgebung gegen Antisemitismus auf dem Dag Hammarskjöld Plaza gegenüber dem UN-Hauptquartier. Staats- und Regierungschefs der Welt sollten «entschlossen handeln, um die wachsende Welle des Antisemitismus zu stoppen.»

Morgen Donnerstag wird Netanyahu vor der UN sprechen, während im gesamten Stadtgebiet Proteste laufen sollen. Um 11 Uhr wird die Aktivistengruppe «UnXeptable» linker Auslands-Israeli am Union Square in Manhattan gegen Netanyahu protestieren. Die Gruppe entstand 2023 während der Demos gegen die geplante «Justiz-Reform» der Netanyahu-Koalition. Ihr Leiter Offir Gutelzon erklärte, der Protest am Donnerstag solle «der Welt zeigen, dass in Israel ein Wandel bevorsteht» und Israelis zur Wahlbeteiligung ermutigen: «Der einzige Weg, das internationale Ansehen Israels wiederherzustellen, besteht darin, Netanyahu bei den Wahlen am 27. Oktober abzulösen.»

Um 12 Uhr wollen linke jüdische Gruppen aus den USA am Dag Hammarskjöld Plaza «gegen das Vorgehen der israelischen Regierung im Gazastreifen und im Westjordanland» protestieren. Dazu gehören T’ruah, J Street, New Israel Fund, New Jewish Narrative, New York Jewish Agenda, Smol Emuni US und Partners for Progressive Israel. Laut den Organisatoren hat «der Premierminister Blut an den Händen, und er ist in New York City nicht willkommen». 

Die Demonstranten fordern «ein sofortiges, dauerhaftes Ende des Krieges, eine echte Rechenschaftspflicht für die Verantwortlichen von Kriegsverbrechen sowie eine Zukunft voller Gerechtigkeit und Frieden für Israelis und Palästinenser gleichermassen.» Daneben ruft ein Bündnis antizionistischer Gruppen im New Yorker Bryant Park zu einer Demo «für die Befreiung Palästinas, die Strafverfolgung Netanyahus und gegen den Völkermord Israels im Gazastreifen» auf.

Die israelische UN-Vertretung hatte vorab erklärt, man erwarte während Netanyahus Besuch «heftige» Proteste gegen ihn. Dafür sei Bürgermeister Zohran Mamdani verantwortlich. Der hat zwar vor mehr als einem Jahr angekündigt, Netanyahu aufgrund eines internationalen Haftbefehls bei einer Visite am Hudson festnehmen zu lassen, räumte aber im Juli ein, dazu nicht befugt zu sein. In einer Videobotschaft bezeichnete er Netanyahu als «Kriegsverbrecher» und erklärte, der Premier sei «in New York City nicht willkommen». 

Vergangene Woche erklärte Mamdani, er werde selbst nicht protestieren und habe die New Yorker auch nicht dazu aufgerufen, sondern lediglich darauf hingewiesen, «dass sie das Recht dazu haben» (Link).
 

Andreas Mink