USA – Medien 02. Jun 2026

Wachsende Kritik an Bari Weiss in CBS-Redaktion

Der prominente TV-Journalist Scott Pelley wirft der Chefredakteurin «Ermordung» der Nachrichtensendung «60 Minutes» vor.  

Scott Pelley ist einer der prominentesten TV-Journalisten in den USA. Der 68-jährige Texaner ist seit 1989 beim Sender CBS und moderiert dort die auf tiefe Recherchen und Interviews spezialisierte Nachrichtensendung «60 Minutes». Doch nun reiht sich Pelley anscheinend in die wachsende Reihe interner Kritiker der im vergangenen Jahr vom neuen Eigner David Ellison als Chefredakteurin von CBS News berufene Bari Weiss ein. Ellison und sein Vater Larry Ellison stehen Trump nahe. Wie der «Guardian» berichtet, hat Pelley ihr am Montagmorgen angeblich «in einer hitzigen Redaktions-Besprechung» vorgeworfen: «Sie bringt `60 Minutes´ um. … Sie wurde geholt, um die Sendung zu beerdigen – und genau das tut sie.»

Weiss hat nicht an der Sitzung teilgenommen. Hintergrund ist eine am Donnerstag verkündete, umfassende Umstrukturierung der Sendung. Dabei werden leitende Produzenten, Redakteure sowie zwei Korrespondentinnen – Sharyn Alfonsi und Cecilia Vega – entlassen. An der Sitzung nahmen der neue Chefproduzent Nick Bilton und der geschäftsführende Redakteur von CBS News, Charles Forelle, teil. Dieser warf Pelley anscheinend «Unhöflichkeit» vor. Pelley konterte, der Sender selbst habe sich unhöflich verhalten – und zwar durch die Art und Weise, wie er mit Tanya Simon umgegangen sei, der leitenden Produzentin der Sendung, die am Donnerstag entlassen worden war.

Mitarbeiter von «60 Minutes» stellten sich nach Angaben von Quellen entschieden hinter Pelley und spendeten ihm stehenden Applaus. Ob Pelley länger beim Sender bleibt, ist unklar. 

Die Kontroverse geht auf einen für Dezember 2025 geplanten Beitrag von Sharyn Alfonsi über ein berüchtigtes Gefängnis in El Salvador als Ziel von Deportationen der Trump-Regierung zurück. Weiss hatte den Beitrag kurzfristig aus dem Programm genommen, Wochen später jedoch die Ausstrahlung genehmigt. Alfonsi hat den Sender jüngst verlassen und erklärt: «Die Mauer zwischen redaktioneller Unabhängigkeit und den Interessen des Konzerns wird bei CBS systematisch eingerissen.» Journalisten, «die Autoritäten herausfordern», würden zugunsten willfähriger Ersatzleute beiseite gedrängt: «Sollte sich dies fortsetzen, wird das Ergebnis eine Sendung sein, … der Mut und der Charakter fehlen, um Journalismus zu liefern, der wirklich zählt.»

Die vorige Woche entlassene Journalistin Vega wirft der Redaktionsleitung «politische Voreingenommenheit» vor: «Reporterteams haben gezögert, Themenvorschläge zu wichtigen aktuellen Ereignissen einzureichen – aus Angst vor internen Konsequenzen. … Es ist Zensur – sowohl von aussen als auch selbst auferlegt. Das ist gefährlich für die Sendung und gefährlich für die Demokratie» (Link).

Andreas Mink