Bern 19. Mai 2026

Vier Schweizer auf Gaza-Hilfsflotte festgenommen

Activisten auf Booten, die Hilfsgüter nach Gaza bringen sollen. 

Unter den Festgenommenen befinden sich nach Angaben der Aktivisten vier Schweizer, darunter die Lausanner Künstlerin Anne Rochat.   

Insgesamt acht Schweizerinnen und Schweizer sollen mit der Flottille Richtung Gaza aufgebrochen sein.
Auch das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) hatte Kenntnis davon genommen, dass die Schiffe der Gaza-Flottille vor Zypern abgefangen wurden.
Der Nachrichtenagentur Keystone-SDA teilte das EDA am Montag mit, die Schweizer Botschaft in Tel Aviv stehe diesbezüglich mit den israelischen Behörden in Kontakt. Auch Aktivistinnen und Aktivisten aus der Schweiz waren dem EDA zufolge an Bord der Hilfsflotte. Zu deren Situation lagen dem Aussendepartement am Nachmittag noch keine Informationen vor.
Der israelische Botschafter in der Schweiz und die zuständigen Behörden in Israel wurden vom EDA aufgefordert, die "Grundrechte" der festgenommenen Aktivistinnen und Aktivisten an Bord der Hilfsflotte zu achten sowie das internationale Völkerrecht und das Seevölkerrecht einzuhalten.
"Jeder Einsatz gegen die Flottille muss dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit entsprechen", hiess es weiter auf Anfrage.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bestätigte den Einsatz und sprach von einem "boshaften Vorhaben". Das israelische Aussenministerium hatte zuvor erklärt, Israel werde keine Verletzung der Seeblockade des Gazastreifens zulassen. Die Flotte "Global Sumud" sprach ihrerseits auf der Plattform X von einer "Attacke" Israels auf ihre Boote.
Die Flottille war Mitte Mai mit rund 50 Schiffen aus der Türkei gestartet. Die Vorwürfe der Aktivisten, im Gazastreifen würde es an Hilfsgütern mangeln, weisen die israelischen Behörden zurück und behaupten, Gaza sei davon "überflutet". Es handelt sich bereits um den dritten Versuch innerhalb eines Jahres, die israelische Blockade des Gazastreifens zu durchbrechen.
Laut dem israelischen Nachrichtenportal "ynet" übernahm die Marine die Kontrolle über die Hilfsflotte. Die Aktivisten an Bord seien festgenommen und auf ein Marine-Schiff gebracht worden, auf dem sich ein "schwimmendes Gefängnis" befinde.
Von dort sollen sie in die israelische Hafenstadt Aschdod gebracht werden. In der Vergangenheit waren internationale Aktivisten stets nach einer Weile wieder in ihre Heimatländer abgeschoben worden.
Bereits Ende April hatte Israel eine andere Flottille in internationalen Gewässern vor Griechenland gestoppt. Menschenrechtsorganisationen kritisierten damals die Festnahmen als illegal und warfen Israel Misshandlungen vor. Die israelischen Behörden wiesen die Vorwürfe zurück.
Das Aussendepartement gab an, die Schweizer Delegation der Gaza-Flottille im April "ausdrücklich" auf "erhebliche Risiken" hingewiesen zu haben. Wer trotzdem an Bord gehe, handle "auf eigene Verantwortung". Das EDA könne in solchen Fällen den konsularischen Schutz verweigern oder einschränken.
In diesem Fall werde das Aussendepartement den konsularischen Schutz auf ein gesetzliches Minimum beschränken und entsprechende Dienstleistungen - wie es im Auslandschweizergesetz vorgesehen ist - in Rechnung stellen.

Redaktion