Google-Mitbegründer schreibt Millionen-Investition in New Yorker Mietwohnungen ab.
Der drittreichste Mensch der Welt hat einen Verlust von 94 Prozent in Kauf genommen, um sich aus dem New Yorker Immobilienmarkt zurückzuziehen. Das Vermögen von Google-Mitbegründer Sergey Brin wird auf rund 280 Milliarden Dollar geschätzt. Wie nun bekannt wird, hat er seinen Anteil an einem Fonds für Mehrfamilienhäuser in Manhattan mit Miet-stabilisierten Wohnungen Ende letzten Jahres für sechs Cent pro Dollar des ursprünglichen Werts abgestossen. Für institutionelle Immobilien-Investoren erscheint dies als Kapitulation vor zumindest mittelfristig katastrophalen Rendite-Aussichten.
Brin hatte die Beteiligung über seine Investmentgesellschaft Amphitheatre LLC von der New Yorker Firma A&E Real Estate erworben; öffentlichen Unterlagen zufolge wurde der Anteil auf rund 79 Millionen US-Dollar taxiert. Er verkaufte ihn im November/Dezember 2025 an A&E Real Estate zurück. Der Zeitpunkt erklärt die Transaktion: Kurz zuvor war Zohran Mamdani mit dem Wahlversprechen eines Mietstopps zum Bürgermeister gewählt worden war. A&E besitzt rund 5900 mietpreisgebundene Wohnungen in Manhattan, Brooklyn, Queens und der Bronx.
A&E bestätigte die Transaktion, ohne den Investor namentlich zu nennen. Der Mietstopp sorgte zwar für Schlagzeilen, doch das Portfolio von A&E war bereits lange vor Mamdanis Amtsantritt in Schieflage geraten. Die Betriebskosten von A&E sind im letzten Jahrzehnt um fast 80 Prozent gestiegen, während das städtische Gremium für Mietrichtlinien im selben Zeitraum kumulierte Mieterhöhungen von nur etwa 15 Prozent genehmigte. Zudem brachte die Reform des Mietrechts im Bundesstaat New York im Jahr 2019 neue Beschränkungen, die Mieterhöhungen bei preisgebundenen Wohnungen erschwerten.
Die finanzielle Notlage von A&E und weiteren Investoren auf diesem Sektor hat sich am 25. Juni 2026 weiter verschlechtert, als das massgebliche «NYC Rent Guidelines Board» (https://rentguidelinesboard.cityofnewyork.us/) die Mieten für rund eine Million mietpreisgebundene Wohnungen sowohl bei Ein- als auch bei Zweijahresverträgen eingefroren hat. Dies war das erste Mal in der Geschichte des Gremiums, dass ein solcher Stopp für zwei Jahre verhängt wurde. Die Massnahme tritt am 1. Oktober 2026 in Kraft und gilt bis zum 30. September 2027. Bürgermeister Mamdani hatte sechs der neun aktuellen Gremiumsmitglieder ernannt.
Der Mietstopp betrifft etwa 27 Prozent aller Wohneinheiten in New York City und mehr als 40 Prozent der städtischen Wohnungen. Eigentümer-Verbände beklagen den Entscheid als gravierenden Missgriff, der die Wohnungskrise in New York verschärfen würde. Beide Seiten haben laut Fachleuten starke Argumente. Von gerade in Metropolen stetig steigenden Lebenshaltungskosten gedrückt, erhalten Mieter Schutz vor Preiserhöhungen. Vermieter argumentieren hingegen, der Erhöhungs-Stop bringe mangelnde Mittel für dringend notwendige Investitionen in Instandhaltung und Neubauten.
Die University of California hatte ihre eigene Investition in Höhe von 115 Millionen Dollar bei A&E bereits im Jahr 2025 um 50 Prozent wertberichtigt.
Brin verlagerte seine Immobilieninvestitionen. Anfang 2026 erwarb er eine Villa am Lake Tahoe für 42 Millionen Dollar, ein Anwesen in Malibu für 49,7 Millionen Dollar sowie ein Haus am Wasser in Miami Beach für 51 Millionen Dollar: ein Ausstieg aus mietpreisgebundenen Mehrfamilienhäusern in New York unter dem Motto «weg mit Schaden» und eine Neuorientierung hin zu exklusiven Luxusimmobilien im «Sunbelt» und in einem Refugium für Wohlhabende in den Bergen zum vollen Preis (Link).