Corsight AI wird Auftragnehmer der britischen Firma Digital Barriers.
Auf Anfrage von «Al Jazeera» hat die britische Regierung die Einführung von Gesichtserkennungs-Technologie im Vereinigten Königreich auf Grundlage von Software des israelischen Unternehmens Corsight AI bestätigt, die anscheinend bereits im Gazastreifen eingesetzt wurde. Dort nutzt die IDF die Software angeblich zur Überwachung und Festnahme von palästinensischer Zivilisten an Kontrollpunkten.
Am Montag hatte die konservative Innenministerin Shabana Mahmood angekündigt, dass die britische Polizei den Einsatz von Gesichtserkennungstechnologie zu Überwachungszwecken massiv ausweiten werde. Dabei soll Corsight AI die britische Firma Digital Barriers als Subunternehmer durch KI-gestützten Gesichtserkennungs-Software unterstützen.
Das Innenministeriums will die derzeit zehn mobilen Gesichtserkennungs-Einheiten auf über 50 Fahrzeuge erweitern. Diese sollen landesweit Personen auf polizeilichen Fahndungslisten identifizieren. Bürgerrechtsorganisationen befürchten die Verletzung der Privatsphäre britischer Bürger.
Nach einem sechsmonatigen Testlauf der Polizei in Essex wurde Digital Barriers im April unter drei Anbietern für den Auftrag ausgewählt, der einem Umfang von 20 Millionen Pfund (27,6 Millionen Dollar) hat. Damit setzt London laut Kritikern die Regierung die Partnerschaft mit einem Unternehmen fort, das «Teil der israelischen Überwachungsarchitektur im Gazastreifen» sei.
Die Polizei von Essex hat im Frühjahr 2025 die Antwort auf eine Anfrage der Menschenrechtsorganisation Action on Armed Violence (AOAV) zu einer allfälligen, direkten Zusammenarbeit von Beamten mit Vertretern von Corsight verweigert. Bereits im März 2024 hatte die «New York Times» berichtet, dass die israelischen Cyber-Einheit 8200 Corsight-Technologie im Gazastreifen einsetzt. Dabei habe es Probleme hinsichtlich der Genauigkeit gegeben, was zu der unrechtmässigen Inhaftierung Hunderter Palästinenser geführt habe. Israel wurde wiederholt für den Einsatz künstlicher Intelligenz im Gazastreifen kritisiert, insbesondere für die Nutzung von KI zur Identifizierung von Bombenzielen.
Laut der Website von Corsight gehören dem Verwaltungsrat des Unternehmens der Geheimdienst-Veteran Igal Raichelgauz, sowie ehemalige Offiziere des Inlandsgeheimdienstes Shin Bet wie Yaron Ashkenazi an, sowie der pensionierte Generalmajor Giora Eiland, der angeblich Namensgeber des «Generalsplans» vom Oktober 2024 zur Abriegelung des nördlichen Gazastreifens war. Laut «Al Jazeera» hat der Plan im nördlichen Gazastreifen über tausend Menschen das Leben gekostet, sei es durch direkte Bombardierung, Krankheiten oder Hunger (Link).