Jerusalem 08. Nov 2026

Über 500 jüdische Persönlichkeiten fordern jüdisch-arabische Koalition

Die gewählten Knesset-Abgeordneten der Vereinigten Liste beraten sich am Donnerstag mit Präsident Isaac Herzog in dessen Amtssitz in Jerusalem.

Rabbiner, frühere Diplomaten und führende Vertreter jüdischer Gemeinden weltweit rufen Israels Opposition zur gemeinsamen Regierungsbildung auf. Eine erneute Beteiligung an einer Regierung unter Binyamin Netanyahu lehnen sie ab.

Mehr als 500 Persönlichkeiten aus der jüdischen Diaspora haben die jüdischen und arabischen Oppositionsparteien Israels aufgefordert, gemeinsam eine Regierung zu bilden. Wie «Haaretz» berichtet, verlangen sie in einem offenen Brief eine Koalition, die Israel, der Diaspora und den Beziehungen zwischen beiden dient. Initiiert wurde der Aufruf von der London Initiative, die der britisch-südafrikanische Unternehmer Mick Davis 2024 gegründet hatte.

Die Unterzeichnenden werfen der Regierung Netanyahu vor, durch ihre Politik und Äusserungen Israels Ansehen unter demokratischen Staaten beschädigt und das Verhältnis zu jüdischen Gemeinschaften weltweit belastet zu haben. Als Angehörige einer Minderheit seien Juden in der Diaspora selbst auf liberale demokratische Schutzmechanismen angewiesen. Die Hetze gegen Israels arabische Bürger und die Delegitimierung einer politischen Zusammenarbeit schadeten deshalb auch ihnen.

Eine neue Regierung müsse sich an der Unabhängigkeitserklärung orientieren, gleiche Rechte gewährleisten und das Streben nach einem sicheren Frieden mit den Palästinensern erneuern. Sicherheit und Frieden seien voneinander abhängig. Eine Einheitsregierung unter Netanyahu könne die notwendigen Veränderungen hingegen nicht herbeiführen.

Der Aufruf erschien zum Abschluss der Konsultationen von Staatspräsident Isaac Herzog mit den Parteien. Dabei erhielt Gadi Eisenkot, Vorsitzender der Partei Yashar, die Empfehlung von 67 der 120 gewählten Knessetmitglieder, Netanyahu jene von 46. Eisenkot hatte damit laut dem Bericht die besten Aussichten, den Auftrag zur Regierungsbildung zu erhalten.

Zu den Unterzeichnenden gehören der frühere britische Aussenminister Malcolm Rifkind, die frühere kanadische Ministerin Ya’ara Saks, die ehemaligen Botschafter Jon Allen und Matthew Gould sowie J-Street-Präsident Jeremy Ben-Ami. Auch zahlreiche Rabbiner verschiedener jüdischer Strömungen und Hochschullehrer unterstützen den Aufruf.

Redaktion