USA – Politik 20. Aug 2026

«Trump reist lieber mit Natalie umher»

Jon Ossoff attackiert gezielt Donald Trump.

Jon Ossoff attackiert den US-Präsidenten. Das kommt bei der demokratischen Basis bestens an.  

Während «Demokratische Sozialisten» bei regionalen Vorwahlen weiter Zuspruch finden, hat die Parteibasis landesweit einen neuen Star: Jon Ossoff legt sich neuerdings gezielt mit Trump an. Der 39-jährige US-Senator aus Georgia steht im November selbst zur Wiederwahl und hat den Präsidenten am Dienstag als «Gauner, der sich vor dem Militärdienst gedrückt hat» attackiert. Ossoff zeigt dabei zwar stets Energie und gerechtfertigte Empörung, bleibt aber kühl, klar und prägnant (Link) Politisch ist er insgesamt eher moderat.

Ossoff setzt damit einen öffentlichen Schlagabtausch fort. Am Wochenende verurteilte er Trumps Krieg gegen den Iran, führte aber zudem die Versorgungskrise für Seeleute auf dem Flugzeugträger «Abraham Lincoln» im Persischen Golf und die «nutzlose Verschwendung unserer Munitions- und Ölreserven an». Derweil «verschläft der Präsident seine Besprechungen. Er spielt Golf und handelt mit Aktien.» Trump wolle den Job im Weissen Haus gar nicht machen: «Er will lieber seinen Ballsaal bauen und mit Natalie in jenem scheinbar ungeschützten, fliegenden Palast reisen, den ihnen der Emir von Katar geschenkt hat» (Link).

Mit «Natalie» ist Trumps persönliche Assistentin Natalie Harp gemeint (Link). Der 35-Jährigen wird eine obsessive Anhänglichkeit zu Trump nachgesagt (Link). Der Präsident verlor dann auch auf Nachfragen von CNN zu seinem Verhältnis zu Harp die Fassung, herrschte die Journalistin zum Stillsein an und verglich Ossoff mit dem Kinder-TV-Charakter Pee-Wee Hermann. 

Ossoff bringt derweil die unablässig steigenden Lebenshaltungskosten auf und demonstriert so Bürgernähe: «Unter Donald Trump kostet es mehr denn je, den Kühlschrank zu füllen, das Haus mit Energie zu versorgen, eine Tasse Kaffee zu kochen oder Schulmaterial für das Kind beziehungsweise einen Traktor für den Bauernhof zu kaufen.» Trumps Zustimmungswerte sind nun auf 33 Prozent gesunken (Link).

Der Effekt dieser Angriffigkeit schlägt auch auf Prognose-Märkte durch. Denn Ossoff spielt mit einer Präsidentschafts-Bewerbung 2028. Seine Chancen auf die Nominierung sind bei Prognose-Märkten seit Ende Mai von sieben auf nun 15 Prozent um mehr als das Doppelte gestiegen. Gleichzeitig sind die 2025 bei bis zu 37 Prozent liegenden Aussichten des kalifornischen Gouverneurs Gavin Newsom auf ebenfalls 16 Prozent eingebrochen. Das Momentum scheint daher momentan hinter Ossoff und Alexandria Ocasio-Cortez zu stehen, die mit 18 Prozent knapp an der Spitze rangiert (Link).
 

Andreas Mink