Bei einem gezielten Einbruch in die grosse Synagoge von Levallois-Perret bei Paris sind mehr als zwölf Thorarollen gestohlen worden.
Vertreter der jüdischen Gemeinde sprechen von einem antisemitischen Angriff und einem «tiefen spirituellen Trauma». Nach bisherigen Erkenntnissen drangen zwei maskierte Täter in der Nacht auf Montag über das Dach in die Synagoge der Association culturelle et cultuelle israélite de Levallois ein. Dabei sollen sie Überwachungskameras und weitere Sicherheitssysteme ausser Kraft gesetzt haben. Der Einbruch wurde am Montagmorgen von Rabbiner Chalom Lellouche entdeckt, als er das Gebäude für eine Bar-Mizwa vorbereitete.
Die Täter nahmen gezielt die handgeschriebenen Thorarollen aus dem Toraschrein mit, während andere wertvolle Gegenstände offenbar zurückblieben. Levallois’ Bürgermeisterin Agnès Pottier-Dumas bezeichnete die Tat deshalb als «abscheulich» und antisemitisch. Es handle sich nicht nur um einen Diebstahl, sondern um einen Angriff auf das Heiligste der jüdischen Gemeinschaft.
Rabbiner Lellouche und Gemeindepräsident Philippe Cohen erklärten, die Tat verursache bei Juden in Frankreich und darüber hinaus ein «tiefes spirituelles Trauma». Nach Einschätzung der Gemeinde gingen die Einbrecher professionell vor. Eine Thorarolle wird von einem eigens ausgebildeten Schreiber von Hand auf Pergament geschrieben; ihre Herstellung kann mehr als ein Jahr dauern. Ihr religiöser und ideeller Wert gilt als unermesslich.
Die Polizei leitete Ermittlungen ein. Der jüdische Sicherheitsdienst SPCJ ist ebenfalls eingeschaltet. Von den Tätern und den gestohlenen Rollen fehlt bislang jede Spur. Der Vorfall ereignete sich nur wenige Tage nach der Festnahme von sechs Verdächtigen wegen eines mutmasslich islamistisch motivierten Anschlagsplans gegen eine Synagoge im Pariser Vorort Sarcelles.