London 23. Jun 2026

Starmer hinterlässt gemischte Bilanz im Kampf gegen Antisemitismus

Premierminister Keir Starmer

Mit dem Rücktritt des britischen Premierministers Keir Starmer endet auch ein Kapitel in den Beziehungen zwischen der britischen Labour-Partei und der jüdischen Gemeinschaft

Jüdische Organisationen würdigen zwar Starmers Rolle bei der Bekämpfung des Antisemitismus innerhalb der Partei nach der Ära von Jeremy Corbyn, ziehen jedoch eine gemischte Bilanz seiner Regierungszeit. 
Als Starmer 2020 die Labour-Führung übernahm, versprach er, den Antisemitismus aus der Partei «mit Stumpf und Stiel auszureissen». Unter seiner Führung wurden zahlreiche Reformen umgesetzt, die schliesslich dazu führten, dass die britische Gleichstellungsbehörde EHRC ihre Aufsicht über Labour beendete. Mehrere prominente jüdische Parteimitglieder kehrten daraufhin zurück. 
Jüdische Verbände anerkennen diesen Kurswechsel als historischen Einschnitt. Gleichzeitig kritisieren sie, dass sich die Lage britischer Juden während Starmers Amtszeit als Premierminister nicht nachhaltig verbessert habe. Seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 und dem Gaza-Krieg stiegen antisemitische Vorfälle in Grossbritannien stark an. Mehrere Anschläge und Angriffe auf jüdische Einrichtungen erschütterten das Land. 
Starmer reagierte darauf mit zusätzlichen Sicherheitsgeldern, einer Verschärfung der Extremismusbekämpfung sowie neuen Massnahmen an Universitäten und Schulen. Nach antisemitischen Angriffen in London sprach er von einer Bedrohung für die gesamte Gesellschaft und versprach, alles für die Sicherheit britischer Juden zu tun. 
Kritiker werfen ihm jedoch vor, gegenüber israelfeindlichen Demonstrationen und antisemitischen Tendenzen im öffentlichen Raum zu lange zu zögern. Insbesondere seine Nahostpolitik und wiederholte Spannungen mit der israelischen Regierung hätten das Vertrauen vieler Juden geschwächt. Kommentatoren sprechen deshalb von zwei Vermächtnissen: der erfolgreichen Sanierung der Labour-Partei einerseits und einer Regierungszeit, in der sich viele britische Juden dennoch zunehmend unsicher fühlten. 
Mit Blick auf den möglichen Nachfolger Andy Burnham beobachten jüdische Organisationen nun genau, ob der von Starmer eingeleitete Kurs gegen Antisemitismus fortgesetzt wird. 
 

Redaktion