Montenegro 10. Aug 2026

Sorge vor wachsendem Antisemitismus

Ein Davidstern ist Teil des Entwurfs für das Jüdische Kulturzentrum, das derzeit in Podgorica, der Hauptstadt Montenegros, errichtet wird.

Die kleine jüdische Gemeinschaft Montenegros beobachtet mit Sorge eine zunehmende Feindseligkeit gegenüber Israel, die sich nach Angaben ihrer Vertreter seit dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 verstärkt hat.

Rabbi Ari Edelkopf, Leiter der religiösen jüdischen Gemeinschaft in Podgorica, sagte gegenüber JTA, inzwischen sei rund um die Uhr Sicherheit notwendig. Zudem lasse die Gemeinde lokale Medien und Internetportale wegen antisemitischer Inhalte von einem Anwalt beobachten. Die jüdische Gemeinschaft des Landes zählt weniger als 1000 Menschen. 
Besondere Besorgnis löste ein gewalttätiger Zwischenfall im Badeort Budva aus. Dort geriet am 12. Juli eine Gruppe von 20 israelischen Touristen mit Einheimischen aneinander. Nach Darstellung israelischer Stellen sollen die Angreifer, nachdem sie die Herkunft der Touristen erkannt hatten, unter anderem «Free Palestine» und antiisraelische Parolen gerufen haben. Mehrere Israelis wurden verletzt, einer erlitt einen Kieferbruch. Wie die Auseinandersetzung ursprünglich begann, ist allerdings weiterhin unklar. Edelkopf kritisierte, dass die montenegrinischen Behörden bislang nicht ausreichend auf den Vorfall reagiert hätten. 
Montenegro mit seinen rund 625'000 Einwohnern galt bislang als ausgesprochen israel- und judenfreundlich und ist ein beliebtes Reiseziel für Israelis. In Nikšić erinnert seit 2024 sogar ein Denkmal an die geheime «Operation Velvetta», mit der 1948 Spitfire-Kampfflugzeuge über das damalige Jugoslawien nach Israel gebracht wurden. Gleichzeitig entstehen in Podgorica eine neue Synagoge und ein jüdisches Kulturzentrum. Die jüngsten Entwicklungen zeigen jedoch nach Einschätzung der Gemeinde, dass sich das gesellschaftliche Klima im Zuge des Gaza-Krieges verändert hat. 
 

Redaktion