Hitlergrüsse in Lausanne, eine Veranstaltung über ein «weisses Europa» im Waadtland und der Prozess gegen Mitglieder der «Jungen Tat» in Zürich: Mehrere Vorfälle haben diesen Sommer die rechtsextreme Szene in der Schweiz in den Fokus gerückt.
Gegenüber RTS warnt der Politologe Oscar Mazzoleni von der Universität Lausanne jedoch vor einer einfachen Gleichsetzung von öffentlicher Aufmerksamkeit und wachsender Mobilisierung. Die jüngsten Einschätzungen der Bundespolizei zeigten keinen klaren Anstieg rechtsextremer Aktivitäten. Die Gruppen versuchten aber verstärkt, Schlagzeilen zu machen und ihre Präsenz durchzusetzen.
Nur wenige Schweizer Gruppierungen bezeichneten sich offen als neonazistisch, so Mazzoleni. Einflüsse zeigten sich vielmehr in rassistischen und suprematistischen Ideen sowie in Ersatzsymbolen. Die 2020 in der Deutschschweiz entstandene «Junge Tat» verbreitet ihre Aktionen mit kurzen Videos über soziale Medien. Ihr Pfeillogo erinnert laut RTS an die Tyr-Rune, die zeitweise von der SS verwendet wurde. Die Gruppe weist eine Verbindung zum Nationalsozialismus zurück.
Sechs Mitglieder der «Jungen Tat» standen im September wegen des Vorwurfs der Aufstachelung zu Hass und Diskriminierung vor Gericht. Ein Urteil stand zum Zeitpunkt des RTS-Berichts noch aus.