USA – Politik 12. Aug 2026

Progressive Demokraten weiter erfolgreich bei Vorwahlen

Die demokratische Gouverneurskandidatin aus Wisconsin, Francesca Hong, spricht am 2. August während einer Wahlkampfveranstaltung in Milwaukee, Wisconsin.  

Moderate und das Partei-Establishment haben einen schweren Stand gegen «demokratische Sozialisten» und Israel-Gegner – eine politische Revolution ist in Connecticut, Minnesota und Wisconsin jedoch nicht zu erkennen.

Gestern Dienstag liefen in sechs Gliedstaaten weitere Vorwahlen für Mandate auf lokaler Ebene und US-Kongress. Mit besonderer Spannungen wurden Entscheidungen der Demokraten in Connecticut, Minnesota und Wisconsin beobachtet. Dort stand die Basis erneut vor Entscheidungen zwischen «demokratischen Sozialisten» und Israel-Gegnern wie Abdul El-Sayed in Michigan und moderateren Persönlichkeiten. Bei Redaktionsschluss vor Mitternacht in den USA standen wichtige Entscheidungen noch aus. Dies zeugt zumindest in Wisconsin von einer erheblichen Skepsis der Basis gegenüber linken Neulingen wie der Gouverneurs-Kandidatin Francesca Hong. 

Für eine deutliche Überraschung sorgte das Stimmvolk im 1. Kongress-Bezirk von Connecticut. Dort konnte Luke Bronin, der ehemalige Bürgermeister der Hauptstadt Hartford, den Amtsinhaber John Larson souverän mit rund 54 zu 35 Prozent der Stimmen schlagen. Hier stand eher ein Generationenwechsel zwischen dem 47-jährigen Bronin und dem 78-jährigen Larson zur Debatte. Aber Bronin hatte im Wahlkampf eine zunehmend kritische Haltung gegenüber Israel eingenommen und Larson eine matte Haltung gegenüber Trump und blinde Unterstützung Israels vorgeworfen.

Sehr viel knapper dürfte die bei Redaktionsschluss noch offene Vorentscheidung für das Gouverneursamt in Wisconsin ausfallen. Hier könnte die linke Gliedstaats-Abgeordnete Francesca Hong trotz starker Umfragewerte gegen David Crowley scheitern. Der afroamerikanische Verwaltungschef des bevölkerungsreichen Landkreises Milwaukee County wurde energisch von dem populären – und scheidenden – Gouverneur Tony Evers unterstützt. Hong hatte sich zudem mit absurden Forderungen wie der Abschaffung des traditionellen Thanksgiving-Erntedankfests Ende November – als Zeichen gegen den «Siedler-Kolonialismus» der USA – oder der Polizei erhebliche Probleme geschaffen.

In Minnesota dürfte die demokratische Basis die Übung in Michigan vor acht Tagen wiederholen. Es ging erneut um einen Sitz im US-Senat, sowie ein damit zusammenhängendes Kongress-Mandat. Wie in Michigan im Rennen Abdul El-Sayed gegen Haley Stevens stand hier eine gemässigte Abgeordnete und langjährige Unterstützerin Israels – nämlich die bisherige Kongress-Abgeordnete Angie Craig – einer dezidiert linken Persönlichkeit gegenüber: der Vizegouverneurin Peggy Flanagan. Diese agitiert gegen AIPAC, die hier allerdings nicht direkt, sondern über ihr Spender-Netzwerk für Craig eingriff. 

Flanagan lag bei Redaktionsschluss über sieben Punkte vor der deutlich erfahreneren Craig. Dies trotz eigener Probleme wie der Verwicklung in einen Betrugsskandal um Sozialhilfen. Flanagan hieb während der Kampagne ebenfalls in die populäre AIPAC-Kerbe und bezeichnete die pro-israelische Organisation als «Superschurken», die «Wahlen kaufen wollen».

Um die Nachfolge von Craig im Repräsentantenhaus bewarben sich etliche Politiker. Mit dem ex-Senator des Bundesstaates Matt Little konnte sich ein weiterer Linker und Israel-Gegner in einer linksliberalen Hochburg die Kandidatur – und damit wohl auch einen Sitz im US-Repräsentantenhaus – mit deutlichem Abstand sichern (Link). 

Andreas Mink