USA – Schweiz 04. Feb 2026

Neue Informationen zu Verbindungen von Banken mit den Nazis

Senats-Anhörung mit Vertretern der UBS, dem Simon-Wiesenthal-Zentrum und Ermittler Neil Barofsky.  

Seit 2021 laufen auf Initiative des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Los Angeles neue Ermittlungen zur Geschichte der Credit Suisse während des Zweiten Weltkriegs. Das Thema beschäftigt 30 Jahre nach dem «Holocaust-Vergleich» über nachrichtenlose Konten bei Schweizer Banken erneut auch den US-Kongress. Gestern Dienstag hat der Jurist und Ermittler Neil Barofsky vor dem Justizausschuss des Senats bisher angeblich unbekannte Verbindungen zwischen der Credit Suisse (und deren Vorgängern) und dem Nazi-Regime vorgestellt. Demnach haben die Geldhäuser Konten für das Auswärtige Amt geführt, das an der Deportation von Juden in Konzentrationslager beteiligt war, sowie für einen Offizier am SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt in Berlin. 

Die «Verwicklung der Credit Suisse sei weitreichender gewesen als bisher angenommen», was «weitere Forschungen zu dieser schrecklichen Epoche der modernen Geschichte» dringlich mache, so Barofsky in einer 73-seitigen Stellungnahme vor dem Justizausschuss. Thematisiert wurde dort laut der «New York Times» auch eine komplizierte Auseinandersetzung zwischen Barofsky und der UBS nach deren Übernahme der Credit Suisse 2023, aber auch zwischen der UBS und dem Simon-Wiesenthal-Zentrum. Eine Rolle dabei spielt auch die Weigerung der UBS, Barofsky rund 150 Dokumente im Zusammenhang mit dem Bankenvergleich in den 1990er-Jahren zu übergeben. 

Diese sollen angeblich die Namen bestimmter Personen mit Nazi-Verbindungen enthalten. Die UBS sieht anscheinend die Gefahr, dass der «Vergleich wieder aufgerollt wird», hat aber jüngst den Vergleichs-Richter Edward Korman um eine Anordnung angefragt, die klarstellt, dass die Vereinbarung einen endgültigen Abschluss darstellt und eine Entschädigung für noch nicht bekannt gewordene Verfehlungen beinhaltet. 

Das Wiesenthal-Zentrum reagierte verärgert auf diese Forderung und wirft der UBS eine Behinderung bei einem zentralen Teil seiner Mission abzuhalten vor. Rabbiner Abraham Cooper erklärte als Vertreter des Zentrums, die UBS müsse offener sein.

Senatoren am Ausschuss forderten die UBS auf, die strittigen Akten mit Barofsky zu teilen. Dieser gab zudem bekannt, sein Team habe auch ein Kriegskonto eines Nazi-Waffenherstellers und bisher unbekannte Zwangstransfers jüdischen Vermögens auf von den Nazis kontrollierte Konten bei Schweizer Banken aufgedeckt. Zudem habe die Credit Suisse einer argentinischen Behörde, die Nazis bei der Flucht nach Argentinien half, ein Büro vermietet und Bankdienstleistungen angeboten.

Von Ausschuss-Mitarbeitern war zu hören, dass Barofsky voraussichtlich bis Ende dieses Jahres einen Abschlussbericht vorlegt. Allerdings seien die Archive so umfangreich, dass sein Team nicht jede Seite habe prüfen können. Der republikanische Ausschussvorsitzende Charles Grassley befürwortet daher die Einrichtung eines öffentlichen Archivs für Forscher, da die vollständige Prüfung der Unterlagen Jahrzehnte dauern könnte (Link).
 

Andreas Mink