Die Einberufung von Jeschiwa-Studenten soll gemäss einem Shas-Rabbiner verboten sein.
Der Rat der Thora-Gelehrten der ultraorthodoxen Schas-Partei hat sich mit einer scharfen Erklärung gegen die Einberufung von Jeschiwa-Studenten zum Militärdienst ausgesprochen. Anlass ist eine Anhörung vor dem Obersten Gericht Israels über Petitionen gegen das Gesetz zur Festnahme von Wehrdienstverweigerern.
In seiner Stellungnahme erklärt das höchste rabbinische Gremium der Schas, das Gericht besitze keine religiöse Autorität, über die Frage der Wehrpflicht von Tora-Studenten zu entscheiden. Die Richter würden seit Jahren einen «Feldzug gegen die Tora-Gelehrten» führen und Gesetze aufheben, die deren besonderen Status schützen sollten. Deshalb erkenne man die Entscheidungen des Gerichts in dieser Angelegenheit nicht an.
Nach Auffassung des Rates ist die Einberufung von Jeschiwa- und Kollel-Studenten «absolut nach der Halacha verboten». Die Rabbiner stützen sich dabei auf talmudische Quellen sowie auf Maimonides (Rambam). Sie verweisen unter anderem auf Stellen, wonach bereits Abraham und König Asa dafür getadelt worden seien, Tora-Gelehrte in Kriege einzubeziehen. Auch der Stamm Levi habe sich wegen seiner religiösen Aufgabe nicht am Krieg beteiligt. Diese Sonderstellung gelte nach Maimonides für alle, die ihr Leben dem Tora-Studium widmen.
Das häufig vorgebrachte Argument einer gerechten «Lastenteilung» weist der Rat zurück. Die eigentliche Verantwortung für den Schutz Israels liege im Tora-Studium, heisst es. Israels militärische Erfolge seien letztlich Ausdruck göttlichen Beistands, der durch das Lernen der Tora ermöglicht werde. Wer Jeschiwa-Studenten aus den Lehrhäusern hole, schwäche daher nach Ansicht der Rabbiner die Sicherheit des Staates, anstatt sie zu stärken.
Die Erklärung verschärft den seit Jahren schwelenden Konflikt um die Wehrpflicht für ultraorthodoxe Männer. Während Regierung, Militär und weite Teile der Öffentlichkeit angesichts des anhaltenden Krieges eine stärkere Beteiligung der Haredim am Wehrdienst fordern, beharren die religiösen Führer darauf, dass das Thora-Studium selbst einen unverzichtbaren Beitrag zur Verteidigung Israels leiste.