Kino 14. Mai 2026

Millionen-Flop und Hoffnungsschimmer

Saudi-Arabien hält an Kino-Ambitionen fest.  

Wie der Branchendienst «Variety» notiert, hat Saudi-Arabien bereits 2018 im Zug der Modernisierungspolitik von Kronprinz Muhammad bin Salman (MBS) ein religiöses Verbot von Kinos aufgehoben und ein massives Engagement in der globalen Unterhaltungsindustrie angekündigt: Der Ölreichtum des Landes sollte nicht nur in Medienunternehmen investiert werden, sondern auch Filmstudios durch eine Kombination aus Steueranreizen und hochmodernen Einrichtungen in das Königreich locken. Dadurch sollte gleichzeitig eine saudische Filmindustrie aufgebaut werden. Heute sind diese Ambitionen nicht weit gekommen. Obendrein fährt MBS unter dem Eindruck des Iran-Kriegs Investitionen auf breiter Front zurück.

Kontraproduktiv erscheint zudem eine internationale Blamage mit dem 150 Millionen Dollar teuren Prestigeprojekt «Desert Warrior», der in den USA seit dem Kinostart am 23. April in den USA und im gesamten arabischen Raum lediglich 700.000 Dollar eingespieit hat. 

Allerdings hat Hollywood längst den allem Anschein nach von MBS persönlich angeordneten Mord an dem in den USA ansässigen Journalisten Jamal Khashoggi in der saudischen Botschaft in der Türkei im Oktober 2018 vergessen. Saudisches Kapital ist in den USA längst wieder willkommen. So hat eine Investorengruppe unter der Führung des saudischen Staatsfonds PIF im Oktober 2025 den Videospiel-Entwickler «Electronic Arts» für 55 Milliarden Dollar übernommen.
 
Zuletzt war der PIF mit geschätzt zehn Milliarden Dollar an der Übernahme von Warner Bros. Discovery durch den von Larry und David Ellison kontrollierten Medienkonzern Paramount Skydance beteiligt. Laut Quellen von «Variety» wollen sich die Saudis damit «als Akteur bei der Erstellung und dem Vertrieb von [Hollywood-]Inhalten positionieren.» Zudem könnte der Deal US-Studios bewegen, Filme in Saudi-Arabien zu drehen. So jedenfalls die Hoffnungen in Riad. 

Insgesamt befindet sich die saudische Filmindustrie laut dem Bericht noch einer Lernphase. Problematisch sei ein anhaltender Fokus auf teure Mega-Projekte wie ein englischsprachiges Epos unter dem Titel «Unbroken Sword», das an «Game of Thrones» erinnere. 

Insider setzen dagegen auf «kleinere und frischere Filme, die das zeitgenössische Leben in Saudi-Arabien widerspiegeln». Genannt wird als Beispiel der satirische Thriller «Mandoob» aus dem Jahr 2023 – der Geschichte eines Mannes namens Fahad, der, nachdem er seinen einfachen Job verloren hat, zum Alkoholschmuggler wird und tief in die Abgründe der Unterwelt Riads abtaucht. «Mandoob» brach nicht nur sämtliche Einspielrekorde in Saudi-Arabien, sondern sorgte auch auf dem Filmfestival in Toronto für Furore (Link).
 

Andreas Mink