Deutschland – Medien 14. Mai 2024

Michael Wildt geht gegen «BILD» vor

Das Blatt hatte den Akademiker als «Universitäter» und Unterstützer von «Juden-Hass-Demos» bezeichnet.  

Am Samstag hat der Berliner Historiker Michael Wildt Beschwerde beim Deutschen Presserat «gegen die verleumderische Hetze von BILD» eingelegt. Dabei zielt Wildt auf den «verleumderischen Artikel `Universitäter´ in der BILD vom Freitag» ab. Dieser stelle «eine böswillige Verleumdung und bewusste Verdrehung von Tatsachen dar». Thema war das Statement von Lehrenden an Berliner Universitäten, das Kritik an dem Polizeieinsatz der vorigen Woche an der Freien Universität Berlin gegen Gaza-Demonstranten und die Sorge ausgedrückt habe, dass damit das Grundrecht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit verletzt wird: «Das Statement nimmt explizit keine inhaltliche Stellung zu den Forderungen der Demonstrant:innen. Weder unterstützt es noch identifiziert es sich mit deren Forderungen. Daraus abzuleiten, die Unterzeichner:innen, darunter auch ich, hätten einen `offenen Brief für Juden-Hass-Demos´ unterschrieben, ist eine böswillige Verleumdung, die mit der Abbildung der Porträts und Namen von 13 Unterzeichner:innen (fehlt nur noch die Adresse), darunter auch ich, diese Menschen persönlich markiert und bewusst möglichen Gewaltaktionen aussetzt.»

Wildt betont seinen Rang als «international renommierter NS- und Holocaust-Historiker». So sei er Gast des International Institute for Holocaust Research, Yad Vashem, gewesen: «Nicht zuletzt gehöre ich dem Editorial Board der Yad Vashem Studies, Jerusalem, an. Mir zu unterstellen, ich würde `Juden-Hass-Demos´ unterstützen, ist böswillige Verleumdung, die mich als Antisemit darstellen will» (https://twitter.com/micwildt/status/1789598140699410919).

Der offene Brief wurde von über 1200 Lehrenden unterschrieben und erklärt: «Als Lehrende der Berliner Hochschulen verpflichtet uns unser Selbstverständnis dazu, unsere Studierenden auf Augenhöhe zu begleiten, aber auch zu schützen und sie in keinem Fall Polizeigewalt auszuliefern.

Unabhängig davon, ob wir mit den konkreten Forderungen des Protestcamps einverstanden sind, stellen wir uns vor unsere Studierenden und verteidigen ihr Recht auf friedlichen Protest, das auch die Besetzung von Uni-Gelände einschliesst. Die Versammlungs- und Meinungsfreiheit sind grundlegende demokratische Rechte, die auch und gerade an Universitäten zu schützen sind. Angesichts der angekündigten Bombardierung Rafahs und der Verschärfung der humanitären Krise in Gaza sollte die Dringlichkeit des Anliegens der Protestierenden auch für jene nachvollziehbar sein, die nicht alle konkreten Forderungen teilen oder die gewählte Aktionsform für nicht geeignet halten.

Es ist keine Voraussetzung für grundrechtlich geschützten Protest, dass er auf Dialog ausgerichtet ist. Umgekehrt gehört es unseres Erachtens zu den Pflichten der Universitätsleitung, solange wie nur möglich eine dialogische und gewaltfreie Lösung anzustreben. Diese Pflicht hat das Präsidium der FU Berlin verletzt, indem es das Protestcamp ohne ein vorangehendes Gesprächsangebot polizeilich räumen liess» (Link).

Andreas Mink