Nahost 07. Okt 2026

«Mekka-Pakt» offiziell aktiviert

Unklare Konsequenzen für Vorgehen der neuen Allianz von Pakistan, Saudi-Arabien und der Türkeim im Krieg gegen die Huthis.  

Gestern Dienstag hat der stellvertretende Premier und Aussenminister Pakistans, Ishaq Dar, eine Pressekonferenz abrupt nach beharrlichen Fragen zu allfälligen Einsätzen pakistanischer Streitkräfte im Kampf gegen die Huthi-Rebellen im Jemen abgebrochen. Konkret wollten Journalisten wissen, ob dazu die Zustimmung des Parlaments eingeholt werden würde. Die Episode hat die Verwirrung über die am Montag offiziell von Pakistan, Saudi-Arabien und der Türkei erklärte Aktivierung des «Gemeinsamen Verteidigungspaktes von Mekka» verstärkt. 

Die drei Mächte hatten den Pakt im August vereinbart und nun erklärt, Pakistan und die Türkei würden Truppen und Kriegsmaterial rasch für auf saudisches Staatsgebiet verlegen, um den anhaltenden Raketen- und Drohnenangriffen der Huthi-Rebellen zu begegnen (Link).

Diese haben am Dienstag anscheinend erneut saudische Ölanlagen, sowie den Flughafen von Riad getroffen und den unter Kontrolle der von Riad unterstützten Regierung Jemens mit Drohnen attackiert.

Allem Anschein wird nun vor allem die Türkei mit Truppen und Gerät aktiv, um die Landesverteidigung der Saudis zu stärken. Direkte Interventionen im Jemen will Ankara nicht unternehmen. Dort fliegt die saudische Luftwaffe Angriffe, um verbündete Kräfte bei der Abwehr der Huthi-Offensive in Richtung Landesmitte und Städte wie Taiz und Mareb, sowie die Südküste zu stoppen und zurück zu werfen. Dabei sind die Gegner der von Iran unterstützten Huthis allem Anschein nach zumindest teilweise erfolgreich (Link).

Die Aktivierung des Pakts wurde am Montag nach einem Krisen-Treffen der Verteidigungs- und Aussenminister der drei Partner in Riad bekannt gegeben. Damit wird das offiziell «Verteidigungsallianz von Mekka» benannte Bündnis erstmals handgreifliche Realität. Das Abkommen legt fest, dass ein Angriff auf einen der drei Staaten als Angriff auf alle drei gewertet wird; dies entspricht einer zentralen Bestimmung des NATO-Gründungsvertrags.

Der saudische Verteidigungsminister Khalid bin Salman erklärt am Montag auf sozialen Medien, das Bündnis agiere nun für die «Abwehr der abscheulichen Angriffe auf das Königreich und die heiligen Stätten» – damit scheinen auch gemeinsame Angriffe auf Iran vorerst ausgeschlossen. Auch Pakistan will laut einer separaten Erklärung vom Montag «die vereinbarten Streitkräfte und militärischen Kapazitäten bereitstellen und deren rasche Verlegung nach Saudi-Arabien sicherstellen.» Wie die gestrige Pressekonferenz zeigt, sind Details dazu jedoch noch unklar. Laut Analysten wollen Pakistan und die Türkei trotz des Mekka-Paktes nicht tiefer in den Krieg im Jemen verwickelt werden, um ihre Rolle als Vermittler im Krieg der USA und Israels gegen den Iran nicht zu gefährden

Laut dem «Global Firepower Index“ von 2026 verfügen die drei Bündnismitglieder zusammen über fast 1,4 Millionen aktive Soldaten, rund 3.400 Militärflugzeuge, 6.000 Panzer und mehr als 340 Marineeinheiten (Link).

Andreas Mink