USA 01. Apr 2026

Mehrzahl der amerikanischen Juden lehnt Militär-Kampagne ab

  Menschen halten bei der Demonstration «Stop the War on Iran» im Februar 2026 auf dem Times Square in New York City Plakate hoch.        

Aktuelle Umfrage ergibt Werte um 60 Prozent.

Am Dienstag hat die liberale, pro-israelische Lobbygruppe J Street in den USA eine Erhebung zur Haltung jüdischer Amerikaner zum Krieg gegen Iran publiziert. Diese zeigt eine Ablehnung von rund 60 Prozent. Dabei geniesst die Islamische Republik keineswegs Sympathien, sondern wird von 90 Prozent der Befragten verurteilt.

Dabei stimmten 63 Prozent der Idee zu, dass « Diplomatie und Sanktionen der effektivste Weg sind, den Bedenken der USA und Israels hinsichtlich des iranischen Atomprogramms und seiner destabilisierenden regionalen Aktivitäten zu begegnen» – also nicht kriegerische Gewalt. Eine Mehrheit ist zudem überzeugt, dass der Krieg die Sicherheit Israels nicht verbessern würde. Ein Drittel befürchtet durch den Krieg sogar eine Schwächung der Sicherheit Israels.

Die Erhebung zeigt eine deutliche Spaltung entlang parteipolitischer und religiöser Linien: Republikaner und orthodoxe Juden neigen demnach eher zu einer Unterstützung des von den USA und Israel begonnenen Krieges.

J Street bezeichnet die Erhebung als «die erste methodisch fundierte Umfrage zur Meinung der amerikanischen Juden seit Beginn des Konflikts». Damit stellt die Organisation einen Kontrast zu einer kürzlich publizierten Erhebung des Jewish People Policy Institute her, das «vernetzte» US-Juden befragt und dabei festgestellt hatte, dass eine Mehrheit von 68 Prozent von ihnen den Krieg unterstützt – wenngleich dieser Anteil seit Kriegsbeginn gesunken sei. Unter «vernetzt» ist anscheinend zu verstehen, dass das Institut rund 700 «Freiwillige» rekrutiert hat und diese regelmässig befragt (https://jewishcurrents.org/a-poll-muddles-the-picture-of-what-american-…).

J-Street-Präsident Jeremy Ben-Ami behauptet daher: «Diese Daten sind ein Weckruf für jeden, der behauptet, im Namen der jüdisch-amerikanischen Gemeinschaft zu sprechen, während er gleichzeitig die Kriegstrommeln schlägt… Die meisten amerikanischen Juden erkennen diesen Krieg als das, was er ist: ein rücksichtsloser, vermeidbarer Fehler eines Präsidenten, dem es an klaren, erreichbaren Zielen sowie an einer Ausstiegsstrategie mangelt.» Wer pro-Israel sei, müsse daher einen sofortigen Frieden verlangen, «bevor dieser Krieg noch mehr Menschenleben fordert.»

Die Erhebung ergab zudem, dass 70 Prozent der jüdischen Stimmbürgerschaft im israelisch-palästinensischen Konflikt eher mit den Israelis als mit den Palästinensern sympathisiert – im Gegensatz zu Umfragen, die in der amerikanischen Gesamtbevölkerung gleichmässige Sympathien oder einen leichten Vorsprung für die Palästinenser feststellten.

Zudem lehnen 70 Prozent bedingungslose militärische und finanzielle Unterstützung für Israel ab und gehen damit klar auf Distanz zu den Prioritäten der AIPAC .
 

Andreas Mink