USA 01. Jan 2026

Mar-a-Lago als «Rekrutierungs-Ort»

Von links: Donald Trump, seine spätere Ehefrau Melania, Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell im Jahr 2000 im Mar-a-Lago-Club in Florida.  

Neue Enthüllungen legen enge Beziehungen zwischen Trump und Jeffrey Epstein nahe.

Traditioneller Recherche-Journalismus statt Auswertung gigantischer Archive: Das «Wall Street Journal» liefert neue Details über die Beziehung zwischen Donald Trump, seinem Mar-a-Lago-Resort und Jeffrey Epstein. Demnach war deren Freundschaft von den 1980er Jahren bis 2003 intensiver als bisher bekannt. Epstein und dessen Komplizin Ghislaine Maxwell haben zudem anscheinend mit Trumps Wissen und Duldung sein Resort Mar-a-Lago als «Rekrutierungs-Ort» für junge und minderjährige Frauen genutzt, die Epstein missbraucht hat. 

Das Weisse Haus bezeichnet den Bericht als «Unterstellungen», die Trump «verleumden» sollen, obwohl das Journal dem Präsidenten keine kriminellen Handlungen vorwirft. Der Bericht basiert auf Interviews mit ehemaligen Mitarbeitern und zeitgenössischen Aufzeichnungen.

Wichtige Erkenntnisse:

1. Laut dem Journal hat das Spa von Mar-a-Lago über viele Jahre regelmässig Mitarbeiterinnen – «gewöhnlich junge Frauen» – zu Epsteins nahegelegenem Anwesen in Palm Beach für Massagen, Maniküren und andere «Dienstleistungen» geschickt. Obwohl Epstein kein zahlendes Mitglied des Clubs war, wies Trump das Personal damals angeblich an, ihn wie ein solches zu behandeln. Epstein führte ein Spa-Konto und Maxwell buchte häufig Termine in seinem Namen.

2. Epstein soll unter den Spa-Mitarbeiterinnen einen Ruf für sexuelle Übergriffigkeit während der Hausbesuche erlangt haben und «sich während der Termine sexuell anzüglich verhalten und entblösst» haben. Die Mitarbeiterinnen warnten sich gegenseitig, bevor sie zu ihm nach Hause geschickt wurden.

3. Neben der Terminbuchung nutzte Maxwell das Sea angeblich zur Rekrutierung von Missbrauchsopfern. Laut ex-Angestellten hat Maxwell junge Spa-Mitarbeiterinnen auf nicht genehmigte «Nebenjobs» angesprochen sie mit zusätzlichem Geld gelockt, wenn sie ihrem «Freund» Massagen gaben. Darunter war im Jahr 2000 die damals 16-jährige Virginia Giuffre, die später die wichtigste Anklägerin Epsteins wurde und sich im April 2025 das Leben genommen hat. Ihrer Aussage zufolge endete ihr erster Besuch in Epsteins Villa mit einem sexuellen Übergriff, gefolgt von jahrelangem Missbrauch und Menschenhandel, bei dem sie an andere mächtige Männer «vermittelt» wurde. Giuffre sagte später aus, sie habe nie beobachtet, dass Trump an dem Missbrauch beteiligt gewesen war.

4. Die brisanteste Enthüllung betrifft einen Vorfall aus dem Jahr 2003 mit einer 18-jährigen Kosmetikerin. Diese habe nach einem Hausbesuch dem Mar-a-Lago-Management berichtet, Epstein habe sie sexuell bedrängt. Ein Manager faxte daraufhin Trump die Anschuldigung und forderte, Epstein ein Hausverbot zu erteilen. Trump soll angeordnet haben, Epstein «rauszuschmeissen» und habe ihm und Maxwell daraufhin Hausverbot im Spa erteilt. Allerdings hat das Resort die schweren Anschuldigung nicht an die Polizei von Palm Beach weitergeleitet.

5. Doch schon Jahre vor dem Hausverbot hatte Trumps zweite Ehefrau Marla Maples laut ehemaligen Mitarbeitern Bedenken hinsichtlich Epsteins Anwesenheit in Mar-a-Lago geäussert. Dieser sei «merkwürdig» und mache einen «verkehrten Eindruck». Dies sei sehr ungewöhnlich gewesen, da Maples sich nur selten negativ über Personen im Umkreis des Resorts geäussert habe. Trotz dieser Bedenken besuchte Epstein jahrelang weiterhin Partys und Veranstaltungen in Mar-a-Lago (https://www.mediaite.com/media/news/5-key-revelations-from-wsjs-bombshell-mar-a-lago-epstein-investigation-including-why-he-was-banned-by-trump/).
 

Andreas Mink