Iran 12. Mär 2026

Mahmoud Ahmadinejad noch am Leben?

Mahmoud Ahmadinejad auf einer Archivaufnahme. 

«The Atlantic» bringt eine komplizierte These zu möglichen Hintergründen des Bombenangriffs auf den ex-Präsidenten.   

Dass Mahmoud Ahmadinejad angeblich bei einem amerikanischen oder israelischen Luftangriff zu Beginn des Krieges in Teheran getötet worden ist, hat weltweit Schlagzeilen gemacht. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Ilna befand sich der 69-Jährige zum Zeitpunkt des Angriffs umgeben von zahlreichen Leibwächtern in seinem Haus im Osten der Hauptstadt. Doch bald dementierte die Partei des ehemaligen iranischen Präsidenten die Meldung. Ahmadinejad habe keineswegs einen «Märtyrertod» erlitten.

Nun rollt «The Atlantic» die Vorgänge aus einer ganz anderen Perspektive auf. Demnach sei der Angriff womöglich eine Befreiungsaktion (Link), denn Ahmadinejad sei zwar beliebt bei Hardlinern und dem Klerus gewesen. Aber am Ende seiner von Holocaust-Leugnung und Unruhen gezeichneten Präsidentschaft 2005-2013 hat er nicht allein internationale Sanktionen aufgrund angeblicher Bestrebungen nach Atomwaffen provoziert. Er wollte zudem die Macht des Präsidenten gegenüber dem geistlichen Führer stärken und brachte sich damit den Groll seines Mentors Ajatollah Ali Khamenei ein. Ahmadinejad wurde politisch an die Seite gedrückt und vom religiösen Wächterrat 2017, 2021 und 2024 von den Präsidentschaftswahlen ausgeschlossen.

Anscheinend war er zu einem politischen Risiko geworden. Mit dem Beginn der amerikanischen Mobilisierung in der Region Ende Jahr hat das Regime die Zahl seiner Leibwächter von einer Handvoll auf rund 50 verstärkt – als ob er überwacht werden müsste. Laut dem Bericht wurde ihm sogar das Handy abgenommen.

Das Magazin entwickelt daher die These, dass der Angriff womöglich die Wächter Ahmadinejads vertreiben und ihm und seiner Familie die Flucht erlauben sollte. Dies könnte ihm gelungen sein. Denn der Ex-Präsident ging anscheinend seit dem Angriff nur einmal kurz an die Öffentlichkeit und hat den Tod von Ali Khamenei betrauert. Aber sein Aufenthaltsort sei dem Regime unbekannt. Ob der geschworene Feind Israels und der USA nun irgendwie «die Seiten wechselt» und sich Trump nach dem Muster von Venezuela als «neuer Mann» zur Führung Irans anbietet, erscheint indes als höchst unwahrscheinlich (Link).

Andreas Mink