Diverse Initiativen und Gremien in vielfältigen Disputen.
Am Donnerstag hat die Jury der diesjährigen Biennale von Venedig entschieden, Israel und Russland von der Vergabe der Hauptpreise auszuschliessen. Damit erreichen Auswirkungen laufender Konflikte auf die Kunstwelt laut «artnet» einen neuen Höhepunkt. Der Schritt hat Kritik von Kreativen, Aktivisten und europäischen Staaten ausgelöst, die weitergehende Schritte fordern, also einen vollständigen Ausschluss Israels und/oder Russlands. Andererseits verurteilt Belu-Simion Fainaru als Vertreter Israels die neue Richtlinie als Diskriminierung.
Die Jury begründet den Ausschluss von der Anwartschaft auf den Goldenen und den Silbernen Löwen mit Klagen gegen Führungspersonen Israels und Russlands vor dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Daneben protestiert die Europäische Union gegen die Teilnahme Russlands durch die Streichung von Fördermitteln in Höhe von 2 Millionen Euro für die nächste Ausgabe der Biennale im Jahr 2028.
Die Gruppe «Art Not Genocide Alliance» (ANGA) begrüsst die Entscheidung als «beispiellosen und wichtigen Schritt, um die Normalisierung staatlicher Gewalt bei gross angelegten Kulturveranstaltungen zu durchbrechen» (Link). Gleichzeitig protestieren Aktivisten aus Kunst und Wissenschaft in einem Gastbeitrag für «Le Monde» gegen die erneute Zulassung Russlands als «Fortsetzung von Krieg mit anderen Mitteln».
Die Jurymitglieder Zoe Butt, Elvira Dyangani Ose, Marta Kuzma, Giovanna Zapperi und Solange Farkas erklärten, ihr Vorgehen sei von der kuratorischen Vision der verstorbenen Koyo Kouoh für die diesjährige Ausstellung inspiriert worden, nämlich «das Spektakel des Schreckens» zurückzuweisen und stattdessen nach «den Oasen, den Inseln zu suchen, an denen die Würde aller Lebewesen geschützt ist.»
Neuerdings fordern 70 an der Ausstellung beteiligten Künstlern und Kuratoren wie Alfredo Jaar, Tabita Rezaire, Pio Abad und Zoe Leonard laut dem Bericht einen Ausschluss der USA. Der israelische Künstler Belu-Simion Fainaru erklärte, die Entscheidung der Jury habe «ein feindseliges und herabwürdigendes Umfeld geschaffen» und stelle eine direkte Diskriminierung aufgrund der nationalen Herkunft dar.
Unterdessen hat sich Finnlands dazu entschlossen, die Biennale aufgrund der russischen Teilnahme zu boykottieren. Ein Sprecher des finnischen Ministeriums für Bildung und Kultur bestätigte, die Erklärung der Jury habe daran nichts geändert (Link).