New York City 03. Jun 2026

Katerstimmung dank Smotrich

Israelische Politiker, Minister, Beamte und Anhänger nehmen am 31. Mai an der Israel Day Parade in New York City teil.

Die anscheinend überraschende Teilnahme des religiös-nationalistischen Ministers an der Israel Day-Parade vom Sonntag löst Kritik und Verlegenheit aus.  

Zwei Tage nach der von einer Rekordzahl von 50'000 Teilnehmenden besuchten Parade zu Ehren Israels in Manhattan löst ein Überraschungsgast Kritik und Verlegenheit aus. Wie erst im Nachhinein bekannt wurde, ist am Sonntag der israelische Finanzminister Bezalel Smotrich mit marschiert. Nun erklärte David Greenfield, als CEO und Geschäftsführer des jüdischen Dachverbandes «Met Council»: «Fakt ist: Smotrich war NICHT eingeladen. Er tauchte in letzter Minute auf. Er marschierte am Ende des Umzugs. Kein einziger New Yorker Amtsträger schloss sich ihm an.»

Ähnlich formulierte Gouverneurin Kathy Hochul – die an der Parade neben einer grossen Knsset-Delegation teilgenommen hat: «Bezalel Smotrich ist ein rechtsextremer Aktivist, dessen hasserfüllte und spaltende Rhetorik fundamental im Widerspruch zu den Werten steht, die uns in New York so wichtig sind.» Die Gouverneurin betont: «Die gestrige Parade war ein Fest des jüdischen Stolzes, der jüdischen Gemeinschaft und der jüdischen Einheit. Ich verurteile seine Teilnahme aufs Schärfste.» 

Die Delegation aus Israel war heuer die grösste dieser Art und laut JTA als «Machtdemonstration» gemeint, nachdem Bürgermeister Zohran Mamdani, angekündigt hatte, der Parade fernzubleiben. Die Delegation hatte jedoch nicht erwähnt, dass Smotrich teilnehmen werde. Anscheinend ist er dafür erst am frühen Sonntagmorgen aus Israel eingeflogen.

Mamdani verurteilte die Teilnahme von Smotrich und anderen Ministern an der Parade und bezeichnete dies in einem Interview als «empörend»: «Die Teilnahme des rechtsextremen israelischen Ministers Smotrich sowie einiger anderer Minister offenbart eine Vision der Vernichtung, eine Mitschuld am Völkermord und, offen gesagt, eine Überzeugung, die selbst die Unversehrtheit von Kindern im Gazastreifen nicht achtet.»

Eric Goldstein, Geschäftsführer des Gemeindeverbandes UJA-Federation of New York, erklärte am Montag, Smotrichs politische Ansichten seien nicht repräsentativ für die Parade: «Die diesjährige Parade steht für über 50'000 Menschen mit den unterschiedlichsten Meinungen aus unserer gesamten Gemeinde, die sich zu einer eindrucksvollen Demonstration der Unterstützung für Israel als jüdischen und demokratischen Staat zusammengefunden haben. Bezalel Smotrichs politische Ansichten spiegeln nicht die Werte dieser Veranstaltung oder ihrer Organisatoren wider.

Härter fiel die Kritik linker Gruppen aus. So posteten die Jews for Racial and Economic Justice auf X: «Wir sind Bürgermeister Mamdani dankbar dafür, dass er sich weigerte, an der Israel Day-Parade teilzunehmen; dort traten einige jener israelischen Politiker auf, die nicht nur den Völkermord an den Palästinensern bejubelt haben, sondern selbst Teil jener Regierung sind, die diesen Völkermord begeht … Schande über jeden gewählten Amtsträger, der gestern mit marschiert ist» (Link).

Andreas Mink