Reaktion auf Ausgrenzung im Literaturbetrieb.
Immer mehr jüdische Schriftstellerinnen und Schriftsteller in den USA gründen eigene Verlage, weil sie sich nach dem 7. Oktober 2023 im etablierten Literaturbetrieb zunehmend ausgegrenzt fühlen. Auslöser ist nach Angaben der Betroffenen ein Klima, in dem jüdische oder israelbezogene Themen schwerer vermittelbar seien und Verlage aus Angst vor Kontroversen zurückhaltender agierten.
Zu den neuen Initiativen gehört der Verlag Ayin Press, den die Bestsellerautorin Meg Keene nach der erfolglosen Suche nach einem Verlag für ihren jüdisch geprägten Roman mitbegründete. Ihr Manuskript hatte zunächst grosses Interesse bei Literaturagenten geweckt, fand letztlich jedoch keinen Verlag. Keene sieht darin ein Symptom einer Branche, in der jüdische Identität zunehmend als Belastung wahrgenommen werde.
Neben Ayin Press entstehen weitere unabhängige jüdische Verlage und Literaturplattformen. Sie wollen Werke veröffentlichen, die sich mit jüdischem Leben, Zionismus, Antisemitismus oder israelischer Geschichte befassen und nach Ansicht ihrer Gründer bei grossen Verlagshäusern immer häufiger auf Widerstand stossen. Ziel sei nicht eine kulturelle Abschottung, sondern die Sicherung eines Raums für jüdische Stimmen und Debatten.
Hintergrund der Entwicklung sind tiefgreifende Spannungen im internationalen Literaturbetrieb. Seit dem Gaza-Krieg berichten zahlreiche jüdische Autorinnen und Autoren von Boykottaufrufen, öffentlichen Anfeindungen oder Schwierigkeiten bei Lesungen und Veröffentlichungen. Gleichzeitig weisen Kritiker darauf hin, dass die Verlagsbranche weiterhin viele jüdische Autorinnen und Autoren veröffentlicht und individuelle Ablehnungen nicht zwangsläufig auf Diskriminierung zurückzuführen seien.
Die neuen Verlage knüpfen zugleich an eine historische Tradition an: Bereits im 20. Jahrhundert gründeten jüdische Verleger eigene Häuser, weil sie in etablierten kulturellen Institutionen auf Antisemitismus stiessen. Die Initiatoren sehen ihre Projekte deshalb nicht nur als wirtschaftliche Unternehmungen, sondern auch als kulturelle Selbstbehauptung in einer polarisierten Zeit.