Die legendäre TV-Richterin kann auf eine glänzende Karriere in der Justiz und vor Kameras zurückschauen.
Nach genau 30 Jahren verlässt Judith B. Sheindlin das Licht von TV-Kameras. Die 83-Jährige wurde mit ihrer täglichen Sendung «Judge Judy» als schlagfertige, gegenüber Missetätern harte, aber immer auch verständnis- und humorvolle Richterin eine amerikanische Institution. Dabei gab sie «Judge Judy» bereits 2021 auf, war aber anschliessend auf Amazon präsent. Dort soll die letzte Folge von «Judy Justice» am 22. Oktober ausgestrahlt werden.
Sheindlin bleibt der Branche indes als ausführende Produzentin für eine Sendung mit ihrem Sohn Adam Levy treu, ein Anwalt und ehemaliger Bezirksstaatsanwalt in Putnam County (New York). Seine Sendung «Adam’s Law» soll am kommenden Montag bei CBS Media Ventures anlaufen. Daneben arbeitet Sheindlin an der Entwicklung von «Judyverse». Das Konzept dieser Zeichentrickserie für Erwachsene wirkt etwas merkwürdig: ein Baby soll in die Rolle der «Judge Judy» schlüpfen. Die TV-Ikone erklärt dazu: «Judge Sheindlin geht nicht in den Ruhestand. Sie schlägt eine neue Richtung ein.»
«Judge Judy» hatte am am 16. September 1996 auf CBS Premier. In halbstündigen Folgen verhandelte Sheindlin Fälle von geringem Streitwert und entschied über Konflikte zwischen Mitbewohnern wegen ausstehender Mieten, überfälliger Autokredite und sogar Fälle von Hundeentführung. Hier fand Menschlich-allzu-Menschliches statt und Sheindlin dominierte das oft bizarre Geschehen mit kernigen «Judy-ismen» wie: «Entweder Sie stellen sich dumm, oder sie sind es wirklich» oder «Versuchen Sie gerade, mir zu erklären, warum Sie ein Idiot sind?»
Die Sendung wurde mehrfach mit einem Emmy ausgezeichnet, lockte jahrelang täglich bis zehn Millionen Zuschauer vor den Bildschirm und brachte Sheindlin Jahreseinkommen jenseits der 40 Millionen Dollar. Dazu Sheindlin einmal im Tonfall ihrer Brooklyner Jugend: «Man behält mich hier im TV nicht, weil ich umwerfend aussehe – sondern weil ich etwas im Köpfchen habe.»
Vor ihrer Fernsehkarriere war Sheindlin als Anwältin für Gesellschaftsrecht bei einem Kosmetikunternehmen tätig und wechselte dann an das New Yorker Familiengericht, wo sie Fälle von Jugendkriminalität und Unterhaltsstreitigkeiten verhandelte. Sie wurde bald so bekannt, dass sie nach ihrem Rücktritt von der Position TV-Angebote erhielt. Sheindlin erklärte dazu einmal: «Meine Gabe – wenn man es denn so nennen kann – besteht darin, dass ich verstehe, was Menschen antreibt». Aber sie könne «weder Dummheit noch Langsamkeit ausstehen» (Link