ISRAEL 12. Okt 2021

JA-Spitzenkandidat scheidet aus dem Rennen aus

Elazar Stern

Elazar Stern gab zu, Belästigungsklagen ignoriert zu haben.

Elazar Stern, ein aussichtsreicher Kandidat für den Spitzenposten der Jewish Agency (JA), gab am Dienstag Nachmittag  bekannt, dass er sich aus dem Rennen um den Spitzenposten der JA zurückziehe, nachdem er zugegeben hatte, anonyme Belästigungsklagen ignoriert zu haben, als er in der Armee dem Personaldirektorium vorgestanden hatte. «In der gegenwärtigen Atmosphäre finde ich es falsch, mich in den Vordergrund zu drängen für einen Posten in der JA», schrieb Stern, der israelische Geheimdienstminister der Jesch-Atid-Partei, in einer Facebook-Post. Und dann fuhr er fort: «Ich tue dies mit reinen Händen und einem vollen Herzen. Ich weiss, dass  während all der Jahre meine Vergangenheit und meine Handlungen Beweise für den von mir eingehaltenen Pfad sind». Stern entschuldigte sich bei Jenen, die sich durch seine Bemerkungen gekränkt fühlen sollten. Er bestand darauf, dass er stets eine Haltung von «Null Toleranz» für Belästigungen an den Tag gelegt habe. «Ich habe nicht immer politisch recht», sagte Stern weiter, «und ich drücke mich nicht immer geschickt aus, doch ich bin stets loyal der Wahrheit, meinen Werten und dem Gebot der richtigen Handlung gegenüber». Freunde von Stern erklärten, der Mann habe seinen Entscheid selber getroffen, ohne Intervention von Aussenminister Yair Lapid, dem Vorsitzenden von Jesch Atid. Er hat keine Absicht, meinten seine Freunde, als Geheimdienstminister oder als Knessetabgeordneter zurückzutreten. Am Montag hatte Lapid gesagt, seine Partei hätte Stern sofort rausgeworfen, hätte es Beweise dafür gegeben, dass der ehemalige General je Klagen wegen sexueller Belästigung dem Papierkorb anvertraut hätte. In einem Radiointerview sagte Stern am Sonntag nur, der Papier-Shredder hätte «sehr rasch gearbeitet». – Möglicherweise dürfte dieser Mini-Skandal weder für Stern selber, noch für die israelische Politik oder für die nun wieder einen neuen Chef suchende Jewish Agency so baldvoll ausgestanden sein.

Jacques Ungar