Die christlich-palästinensische Kleinstadt auf der besetzten Westbank liegt unweit von Ramallah und wird zunehmend Ziel von Siedler-Attacken.
Wie Journalisten des britische «Telegraph» vor Ort berichten, hat die IDF die Stadt Taybeh zur «geschlossenen Militärzone» erklärt. Die von 1200 griechisch-orthodoxen, melkitisch-griechisch-katholisch und lateinisch-katholisch Christen bewohnte Ortschaft bei Ramallah wird seit Monaten von israelischen Siedlern angegriffen. Diese setzen beispielsweise Brände und fachen die Flammen mit Laubbläsern an. Kirchen am Ort stammen teilweise aus dem fünften Jahrhundert. Die Stadt wird zunehmend von illegalen Siedler-Aussenposten umgeben.
Die Anordnung der IDF dient laut dem Bericht und betroffenen Palästinensern primär dazu, Journalisten und internationale Beobachter an Besuchen zu hindern. Das Militär sperre häufig Gebiete ab, die von Siedlern angegriffen werden. IDF-Angehörige blieben derweil bei Siedler-Attacken allzuoft passiv.
Pfarrer Bashar Fawadleh von der «Christus-der-Erlöser-Kirche» in Taybeh erklärte den Journalisten: «Seit Monaten erlebt unsere Gemeinde immer wieder Übergriffe auf Privat- und Agrarflächen, Einschüchterungen von Familien und Arbeitern, Brandstiftungen, bewaffnete Präsenz, das Eindringen von Siedlern und deren Vieh auf Privatgrundstücke sowie Versuche, eine dauerhafte Präsenz rund um das Dorf zu etablieren.» Dies schüre Angst und gefährde das normale Leben sowie die Zukunft der christlichen Gemeinde.
Taybeh gilt als eines der wenigen verbliebenen christlichen Dörfer im Westjordanland; im vergangenen Jahr wurde es vom griechisch-orthodoxen Patriarchen und dem römisch-katholischen Kardinal von Jerusalem besucht. Im Juni hinderten Siedler angeblich Einheimische an der Löschung eines Grossbrandes in der Nähe des Ortes.
Die Angriffe haben zu einer Verurteilung durch den US-BotschafterMike Huckabee geführt, der Israel normalerweise vehement gegen Kritik verteidigt. In dieser Woche richtet sich die internationale Aufmerksamkeit auch auf das weiter nördlich im Westjordanland gelegene Dorf Qusra, wo eine palästinensische Familie seit Tagen von Siedlern «belagert» wird. Die IDF lässt dies anscheinend geschehen und hat das Gebiet ebenfalls für Journalisten abgeriegelt (Link).