ISRAEL-WAHLEN 22. Feb 2021

Hitler im Wahlkampf

Geschmackloser Scherz und Tabubruch.

Ausgerechnet in Israel hatte man so etwas eigentlich nicht für möglich gehalten: Die Benutzung eines Hitler-Videos in der Kampagne für die kommenden israelischen Parlamentswahlen vom 23. März. Ein im Namen der Religiös-Zionistischen Partei veröffentlichtes Kampagnen-Video sorgte für Aufsehen und Ärger im Volk. Am Samstagabend wurde effektiv ein Tabu gebrochen, indem der Erzfeind des jüdischen Volkes für Wahlpropaganda herangezogen wurde. Durch die Benutzung eines Bildes von Adolf Hitler wurde angedeutet, dass linksgerichtete und arabische Knessetkandidaten es dem Nazi-Führer gleich tun würden. Bezalel Smotrich, Vorsitzender der Partei, verurteilte das Video kurz nachdem es auf sozialen Medien erschienen war. Er sei von der Herstellung und der Verbreitung des Videos vorgängig nicht informiert worden, meinte der Abgeordnete. Das Video entfachte eine heftige Debatte innerhalb der extremen Rechten, die letztlich dieser wohl kaum Stimmen einbringen sondern ihrem Image allgemein Schaden zufügen dürfte. Der Zwischenfall machte aber klar, dass rechtsextreme Splitterparteien in dem auch qualitativ nicht sonderlich hochstehenden Wahlkampf kaum Chancen haben, an den Positionen rechtslastiger Parteien wesentlich zu rütteln. Netanyahu mag ruhig weiter vor sich hindösen und den Rest des rechten Fussvolks sich gegenseitig bekämpfen lassen. Sein Polster ist fett genug, um solch unnütze Erscheinungen wie Hitler in der religiös-zionistischen Kampagne schadlos zu überstehen. Der mit der Rechten sympathisierende Teil des Volkes wäre aber gut beraten, in sich zu gehen und sich darüber klar zu werden, wie weit es in seinen Bemühungen gehen darf, Punkte mit Allem und Jedem und gegen Alles und Jedes machen zu wollen.

Jacques Ungar