BDS 13. Okt 2021

Hebräisch wird boykottiert

Eine Bestseller-Autorin und BDS-Unterstützerin sorgt für Aufsehen.

Wer hätte das gedacht? Man kann auch eine Sprache boykottieren. Denn sie ist angeblich mitverantwortlich für die israelische Besatzung. Bestseller-Autorin Sally Rooney, irische Katholikin und überzeugte Unterstützerin der BDS-Bewegung, hat verboten, dass ihr neuer Roman, «Beautiful World, Where Are You?» ins Hebräische übersetzt wird. Ihr israelischer Verlag «Modan», der ihre ersten beiden Romane auf Hebräisch herausbrachte, gab diese Information bekannt. Die Autorin und ihr Agent bestätigten dies. Rooney hat nach dem letzten Gaza-Krieg im Mai einen Brief mit Tausenden anderen Künstlern unterschrieben, in dem Israel der «Apartheid» beschuldigt wird. Israel solle international komplett isoliert werden, insbesondere die USA sollten ihren Unterstützung beenden. Der Brief verlangte auch, dass alle Regierungen ihre wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zu Israel einstellen sollten.
Bereits in ihrem Roman «Normal People», auf Deutsch: «Normale Menschen» nehmen die Hauptfiguren an einer Demonstration gegen den Gaza-Krieg 2014 teil. Im Roman «Conversation with friends» (deutsch: «Gespräche mit Freunden» gibt es ebenfalls eine Szene, in der Israel nicht gut wegkommt. Rooney ist die zweite internationale Autorin, die ihr Werk nicht mehr ins Hebräische übersetzen lässt. Ein Werk, das natürlich im linken, urbanen Millenial-Milieu spielt. Im Jahr 2012 untersagte eine weitere Anhängerin der BDS-Bewegung, die Autorin Alice Walker, die Übersetzung ihres Welterfolges «The Color Purple» (deutsch: «die Farbe Lila») ins Hebräische. Rooney steht mit ihrer Unterstützung der Palästinenser ganz im politischen Narrativ ihres Landes. Die Iren, die stets gegen die «Besatzer», die Briten, gekämpft haben, fühlen sich den Palästinenser überaus verbunden. 2018 entschied der Stadtrat von Dublin, den Boykott Israels zu befürworten und forderte die Ausweisung des israelischen Botschafters in Irland. Dass der Boykott eines gesamten Kollektivs in sich selbst rassistische, und in diesem Fall: antisemitische Züge aufweist, ist den BDS-Befürwortern entweder nicht bewusst oder egal. Man kann davon ausgehen, dass Rooneys Entscheidung – immerhin die Entscheidung einer New-York-Times-Bestseller-Autorin – andere Autoren zu einem ähnlichen Schritt ermutigen könnte. Doch der intellektuelle Boykott trifft am meisten diejenigen Israelis, die eher links zu verorten sind und somit im Grunde Verbündete der Israel-Kritiker wären. Dass solche Entscheidungen viele linke Israelis weiter nach rechts treiben, darüber scheint sich Rooney offensichtlich keine Gedanken zu machen.

Redaktion