USA-Iran 15. Jan 2020

Handelt Trump nach Neocon-Konzepten?

Auch auf dem Satellitenbild zu sehen: Die Einschläge der iranischen Raketen in der Ain Al Assad Airbase, wo US-Truppen stationiert sind.

Im Frühjahr hat ein langjähriger Berater von John Bolton eine Strategie gegen Iran entwickelt, die auf eine Störung des Regimes setzt, statt «Regime-Wechsel». Ein Vorschlag war die Liquidierung von Kasem Soleimani.

Eli Lake, Verteidigungs-Kolumnist bei «Bloomberg News», präsentiert Denkschriften aus der Umgebung von John Bolton vom letzten Mai, die wie eine Blaupause für die Liquidierung von Kasem Soleimani am Bagdader Flughafen anmuten. Autor ist David Wurmser, ein langjähriger Weggefährte und Berater des ehemaligen Sicherheitsberaters von Donald Trump.

In den Memos schlägt Wurmser eine Alternative zu einem «Regime-Wechsel» in Teheran vor: Washington solle die Initiative an sich reissen und Teheran mit Überraschungsangriffen und Störmanövern konfrontieren. Dies werde die innere Schwäche des Regimes zum Vorschein bringen und dessen Rückhalt bei der iranischen Bevölkerung erschüttern. Langfristig könnte eine solche «Disruption» des Regimes dann doch zum Sturz der islamischen Theokratie führen.

Wurmser beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Iran und schreibt, das Regime bestehe aus unterschiedlichen Fraktionen, zwischen denen «eine delikate Balance» bestehe. Diese Einschätzung wird von Experten weithin geteilt. Ein harter Schock wie die Liquidierung hochrangiger Mitglieder der herrschenden Elite könnte diese Balance nachhaltig stören. So zitiert Lake den Bolton-Vertrauten. Wurmser hat dabei auch die Ermordung von Soleimani ins Spiel gebracht.

Lake zufolge zeigen die Denkschriften, dass ein Schlag gegen den Kommandeur der Kuds-Brigaden innerhalb der Trump-Regierung schon länger diskutiert worden ist. Bolton hat das Pentagon anscheinend im Mai zu der Entwicklung militärischer Optionen gegen Teheran gedrängt, soll dabei jedoch auf Widerstand gestossen sein. Allerdings haben US-Geheimdienste im letzten Frühjahr mit einer tiefergehenden Überwachung und Untersuchung der iranischen Aktivitäten in Nahost begonnen, wie Lake schreibt. Hintergrund war die Eskalation von Spannungen zwischen den USA, den Saudis und Iran.

Wurmsers Vorschläge sollen jedoch zunächst kein Gehör gefunden haben. Nun erscheint das Konzept als Blaupause für das Vorgehen Trumps. Anhin geben die Resultate Wurmser recht: Der zunächst geleugnete Abschuss der ukrainischen Passagiermaschine in Teheran spricht für Panik und Chaos innerhalb des Regimes und die Bevölkerung reagiert mit Protesten.

Wurmser und seine Frau Meyrav zählen zum Kreis der Neocons, die ab Ende der 1990er Jahre für die Absetzung von Saddam Hussein im Irak, des Assad-Regimes in Syrien und eine harte Gangart gegen Iran plädiert haben. Meyrav Wurmser hat das «Middle East Media Research Institute» (MEMRI) zur Beobachtung und Auswertung arabischer und iranischer Medien gegründet. Bolton hatte zunächst beabsichtigt, Wurmser und weitere Vertraute in den Nationalen Sicherheitsrat zu holen. Er scheiterte damit jedoch an Widerstände in der Trump-Regierung (Link).

Andreas Mink