Die Insel vor Buschehr ist der zentrale Ölhafen Irans.
Unter Experten zirkulieren seit dem Wochenende Spekulationen über Pläne Trumps, Iran nach dem Modell seines Vorgehens in Venezuela unter Kontrolle zu bringen. Wie der Think Tank-Spezialist Guy Laron auf X darlegt, weicht diese «Analyse von der Darstellung der Mainstream-Medien ab, die Trump als wankelmütigen, senilen oder von Bibi beeinflussten Präsidenten sehen.» Trump könnte vielmehr «zwar bösartig, aber rational sein».
Schlüssel einer solchen Unterwerfung Irans könnte die Insel Kharg sein, die halb so gross wie Manhattan im nördlichen Persischen Golf eine Stunde Bootsfahrt von der iranischen Küste liegt. Dort sitzen seit den 1970er Jahren Terminals, über die der Iran 90 Prozent seines Rohöls exportiert. Vor Kriegsbeginn habe Iran angesichts Konzentration amerikanischer Streitkräfte in der Region die Ölexporte von Kharg von 1,5 Millionen Barrel pro Tag auf enorme 4 Millionen gesteigert.
Laron folgert, dass die Iraner Trump anders wahrnehmen als die westlichen Medien. Sie glaubten nicht, dass er einen Regimewechsel oder Demokratie anstrebt, sondern es vielmehr auf ihr Öl abgesehen habe. Dazu passe ein Bericht des Senders NBC, wonach Trump Beratern seine Vision für den Iran nach dem Krieg erläutert habe: «Ein neues iranisches Regime kooperiert bei der Ölproduktion ähnlich wie die USA und Venezuela.» Die Logik dahinter: Könnten die Revolutionsgarden kein Öl mehr verkaufen, könnten sie auch keine Gehälter zahlen.
Folglich könnte die Einnahme von Kharg bedeuten, dass die USA keinen Regimewechsel benötigen und direkt Irans wichtigste Einnahmequelle kontrollieren. Dazu passe die bisherige Strategie der USA und Israels: «Enthaupten und delegieren.» Nach dem Tod des geistigen Oberhauptes Khamenei sei die iranische Führung in Auflösung begriffen. Zwar sei unklar, an wen Washington die Macht im Iran nun «delegieren» könne. Aber bei den Angriffen sei neben der iranischen Marine vor allem der Landessüden und damit das Hinterland von Kharg getroffen worden: «Diese Angriffe sind nicht zufällig. Sie schaffen Raum für die Eroberung von Kharg durch die US-Marine.» Zudem sei Kharg kaum befestigt und liege so isoliert, dass US-Zerstörer weit vor der Küste einen glaubwürdigen Verteidigungsperimeter errichten könnten.
Dass Washington gleichzeitig die Kontrolle über die Strasse von Hormus suche, könnte zur Kontrolle «dieser Lebensader des globalen Energiehandels führen». Dagegen sei auch China als wichtigster Öl-Kunde Irans machtlos: «Die Kontrolle der USA über den Persischen Golf, aus dem China etwa die Hälfte seines Rohöls und ein Drittel seines Gases importiert, wäre eine strategische Katastrophe für Peking.» Die Alternative wäre eine stärkere Abhängigkeit von Russland, also von Erdgas aus Sibirien. China wolle jedoch keinesfalls «von dem transaktionsorientierten Putin abhängig sein».
Daher stellt Laron den laufenden Krieg in eine Reihe von Trumps Ambitionen und auch Aktionen in Richtung Grönland, Panama, Venezuela: «Trump führt die Welt nicht durch Allianzen und Institutionen. Er sichert sich die Knotenpunkte: die Engpässe und Ressourcenzentren, welche die Welt – und die KI – am Laufen halten. Ob es funktioniert oder nicht, es handelt sich um eine schlüssige imperialistische Strategie» (Link).