Unterstützer wie Bernie Sanders gehen auf Distanz über Vergewaltigungs-Vorwurf gegen den linken Aussenseiter in Maine.
Seit gestern Mittwoch ein detaillierter Vergewaltigungs-Vorwurf gegen Graham Platner bekannt wurde, kollabiert die Senatskampagne des linken Aussenseiters in Maine. Zunächst hatten ihn führende Demkoraten wie Chuck Schumer zur Aufgabe seiner Kandidatur aufgerufen, die Platners links-populistische Rhetorik ohnehin mit grosser Skepsis notiert hatten. Denn der 41-jährige Ex-Marine und Austernzüchter tritt gegen die 73-jährige Republikanerin Susan Collins an, die Main seit 1997 in Washington repräsentiert und immer wieder starke Herausforderungen überstanden hat. Platner erschien als zu radikal, unerfahren und geriet bereits im Vorjahr in Skandale.
Am Dienstag folgten führende Linksliberale in Serie, darunter auch die wichtigsten Unterstützer von Platner: Bernie Sanders, Zohran Mamdani und die Senatorin Elizabeth Warren. Sanders erklärte: «Ich habe mit Graham Platner über den besten Weg für Maine gesprochen. Angesichts dieser sehr schwerwiegenden Anschuldigungen habe ich ihm geraten, zurückzutreten.» Daneben springen auch wichtige Spender auf der Linken ab und die Platner-Kampagne hat Werbung auf Social Media eingestellt. Laut Medienberichten ringen Progressive und Moderate in der Partei bereits um die Nachfolge, noch bevor Platner offiziell seinen Rückzug erklärt hat. E müsste dies bis zum 13. Juli tun, damit die Partei gemäss dem Wahlrecht in Maine noch einen Ersatz aufstellen kann.
Der Skandal kommt einer Katastrophe für die Demokraten gleich. Denn einerseits ist ohne einen Sieg in Maine die Rückeroberung der Senatsmehrheit bei den Wahlen November praktisch undenkbar. Und zweitens hat Platner mit Kontroversen in Serie – darunter ein Tattoo mit Waffen-SS-Symbolik, hetzerische ältere Reddit-Beiträge und frühere Fragen zu seinem Alkoholkonsum und Umgang mit Frauen – und nun dem Vergewaltigungs-Vorwurf einen Schatten auf die Hoffnung jüngerer Stimmen in der Partei für eine Erneuerung von Links als Reaktion auf das Debakel Bidens 2024 geworfen.
Platner bestreitet den Vorwurf, scheint aber bereits zur Aufgabe der Kandidatur entschlossen. Er soll bereits am Montagabend in einer internen Telefonkonferenz mit seinem Wahlkampfteam diskutiert haben, wie er Einfluss auf die Kür seines Ersatz-Kandidaten nehmen könne. Mit seiner offiziellen Abdankung ist daher jeden Moment zu rechnen (Link).