Der Einfluss der proisraelischen Lobbyorganisation AIPAC gerät in den USA zunehmend selbst zum politischen Streitpunkt.
Wie die Financial Times berichtet, wächst insbesondere innerhalb der Demokratischen Partei der Widerstand gegen die Rolle der Organisation und ihrer millionenschweren Wahlkampfhilfen.
Im Mittelpunkt steht derzeit die demokratische Vorwahl um einen Senatssitz in Michigan. Der progressive Kandidat Abdul El-Sayed wirft seiner Konkurrentin Haley Stevens vor, sich mit Unterstützung der AIPAC-nahen Super-PAC United Democracy Project wählen lassen zu wollen. Für El-Sayed steht AIPAC symbolisch für den übermässigen Einfluss von Lobbygeldern auf die amerikanische Politik.
Die Debatte fällt in eine Zeit, in der sich die Haltung vieler demokratischer Wähler gegenüber Israel deutlich verändert hat. Der Gaza-Krieg, die Politik der israelischen Regierung unter Benjamin Netanyahu und die humanitäre Lage haben die Unterstützung für Israel insbesondere bei jüngeren Demokraten sinken lassen. Mehrere Umfragen zeigen, dass die Partei in der Israel-Frage zunehmend gespalten ist.
AIPAC gehört seit Jahrzehnten zu den einflussreichsten Lobbyorganisationen in Washington und unterstützt Kandidaten beider Parteien, die eine enge Partnerschaft zwischen den USA und Israel befürworten. Kritiker werfen der Organisation jedoch vor, mit hohen Wahlkampfausgaben politische Gegner gezielt auszuschalten und kritische Stimmen gegenüber der israelischen Regierung einzuschüchtern. AIPAC weist diese Vorwürfe zurück und betont, sie setze sich für die parteiübergreifende Unterstützung Israels und die amerikanisch-israelische Allianz ein.
Die Financial Times sieht darin einen grundlegenden Wandel: Was für viele Politiker lange als politischer Vorteil galt, könnte in Teilen der demokratischen Wählerschaft zunehmend zur Belastung werden. Besonders in umkämpften Vorwahlen wird die Nähe zu AIPAC inzwischen selbst zum Wahlkampfthema.