USA 31. Aug 2025

Ehemalige Biden-Offizielle üben scharfe Kritik

Ehemaliger US-Botschafter in Israel Jacob Lew
Jacob Lew macht darauf aufmerksam, dass Antworten der israelischen Regierung auf US-Kritik häufig ausblieben

Ex-Regierungsmitglieder distanzieren sich von israelischer Kriegsführung.

Ehemalige Spitzenvertreter der US-Regierung unter Präsident Joe Biden beziehen erstmals öffentlich Stellung zum Krieg in Gaza und kritisieren Israels Ministerpräsident Binyamin Netanyahu scharf. Sie werfen ihm vor, Waffenruhen bewusst blockiert und die Friedensverhandlungen behindert zu haben. Die Aussagen erfolgen vor dem Hintergrund dramatisch sinkender Zustimmungswerte für Israels Kurs innerhalb der Demokratischen Partei und wachsender Forderungen nach einem Stopp von US-Waffenlieferungen.

Matthew Miller, ehemals Sprecher des Aussenministeriums, berichtete im israelischen Fernsehen, die US-Regierung habe mehrfach erwogen, Netanyahu offen für seine Blockadehaltung zu rügen, dies aber aus Angst vor negativen Auswirkungen auf die Verhandlungen unterlassen. Grund sei die Sorge gewesen, die Terrorgruppe Hamas könnte die vermeintliche Spaltung zwischen Israel und den USA für sich nutzen. 

Ein aufsehenerregender Dialog zwischen Netanyahu und dem damaligen US-Aussenminister verdeutlicht den tiefen Dissens: Auf die Warnung, Israel riskiere einen jahrzehntelangen Krieg, habe Netanyahu erwidert, Israel rechne ohnehin mit einem langen Konflikt.

Jake Sullivan, früherer Nationaler Sicherheitsberater, erklärte in einem aktuellen Interview, ein Boykott von Waffenverkäufen an Israel sei inzwischen eine „völlig glaubwürdige Position“ geworden. Er verwies auf den Zusammenbruch des letzten Waffenstillstands im März, den gestiegenen humanitären Notstand in Gaza und die fehlenden militärischen Ziele Israels. Während zu Beginn des Krieges noch das Selbstverteidigungsrecht Israels betont wurde, sei mittlerweile eine Waffenpause aus Sicht zahlreicher US-Parlamentarier notwendig und gerechtfertigt. 

Jacob Lew, bis Anfang 2025 US-Botschafter in Israel, pocht darauf, dass die Biden-Regierung mit viel Druck eine noch grössere humanitäre Katastrophe verhindert habe. In einem Gastbeitrag und Interview betont er, wie eng die USA mit Israel an den militärischen Taktiken, aber auch humanitären Fragen, gearbeitet hätten. Gleichwohl macht Lew darauf aufmerksam, dass Antworten der israelischen Regierung auf US-Kritik häufig ausblieben oder erst nach internationalem Druck gegeben wurden. 

Lew verteidigte gleichzeitig die Position, man müsse die hohe Zahl ziviler Opfer im Kontext sehen, da Hamas die Zivilbevölkerung als Schutzschild missbrauche. Dennoch stiessen seine Aussagen auf Kritik – viele empfanden sie als Versuch, das Leid von Kindern in Gaza zu relativieren.

Zur Frage, wer das Ende des Krieges in Gaza verhindere, sagte Lew, es habe stets zwei Parteien gegeben. Nicht nur Israel, auch die kompromisslose Haltung von Hamas habe Friedensabkommen verhindert. Dennoch wird deutlich: Die Distanzierung ehemaliger Biden-Beamter von der israelischen Kriegsstrategie markiert ein Umdenken in den amerikanisch-israelischen Beziehungen angesichts einer beispiellosen humanitären Krise. 
 

Redaktion