SCHILD DES NORDENS 05. Dez 2018

Die israelische Aktion im Norden ist defensiver Natur

Eskalation dürfte ausbleiben. Fragezeichen Iran.

Die israelischen Medien befassten sich logischerweise am Dienstag den ganzen Tag über vorwiegend mit der Operation gegen die nach Israel übergreifenden Angriffstunnels der Hizbollah im Norden. Dabei gelangen die meisten Kommentatoren zum Schluss, dass die Operation in erster Linie defensiver Natur ist.  Mit einer Eskalation sei ziemlich sicher nicht zu rechnen, ausser natürlich, Iran, der Schutzpatron der Hizbollah, habe anderes im Sinn. Klar ist nach Beginn der Operation am Dienstagmorgen, dass die IDF sich nach einer ersten Phase der wohl gehüteten Geheimnisse auf die öffentliche Stufe einer breit angelegten Operation eingelassen hat. Einziger Zweck ist vorderhand das Aufspüren und Zerstören von Offensivtunnels, welche die Hizbollah unter der Grenze zwischen Libanon und Israel hindurch getrieben hat. Trotz des recht hoch gegriffenen Namens der Operation kündigen die bisher von den IDF eingeleiteten Massnahmen nicht auf kriegerische Absichten Jerusalems hin. Israel führt im Gegenteil legitime Defensiv-Aktivitäten im eigenen Territorium durch, um die offensiven Vorbereitungen zunichte zu machen, die die Hizbollah im Hinblick auf künftige Aktionen gegen Israel durchgeführt hat. Ein Fragezeichen ist und bleiben allerdings mögliche Reaktionen Teherans, kombiniert mit allen möglichen Kettenreaktionen in der Region und über sie hinaus. – Die Hizbollah baue Tunnels «mit der direkten Unterstützung und Finanzierung durch Iran», sagte Premier Netanyahu am Dienstagabend in einer Erklärung an die Presse. Grund seien die Bemühungen der schiitischen Miliz, Galiläa zu besetzen, warnte der Regierungschef. Dies sei eine «direkte Bedrohung, und die Operation wird fortgesetzt bis die Zielsetzungen erreicht sind.» Einziger Zweck sei für die Hizbollah, unschuldige israelische Männer, Frauen und Kinder anzugreifen und zu töten. Libanon trage eine «schwere Verantwortung dafür, solche Terrorakte auf seinem Territorium zu dulden», unterstrich Netanyahu, der im Übrigen aber jede konkreten Hinweise auf die weitere Strategie seiner Armee an der Nordgrenze vermissen liess.

Jacques Ungar