Der legendäre Musik-Manager wurde 94 Jahre alt und hat Dutzende bedeutender Bands und Performer entdeckt und gefördert.
Clive Jay Davis wurde am 1932 in Brooklyn geboren und wuchs als Sohn einer jüdischen Familie in bescheidenen Umständen im Stadtviertel Crown Heights auf. Sein Vater Herman war Elektriker und Vertreter für Krawatten, die Mutter Florence Hausfrau, aber mit «Flair und Selbstbewusstsein» erfüllt, so Davis später. Als einer der bedeutendsten Musik-Manager der Nachkriegszeit war Davis selbst bekannt für seine Eleganz, aber auch ein enormes Durchsetzungsvermögen – und ein ausserordentliches Talent für die Erkennung musikalischer Talente. Dabei hatte ihn Musik nach eigenem Bekunden bis Mitte Zwanzig gar nicht interessiert.
Die Eltern benannten ihn Sohn nach dem charmanten englischen Filmstar Clive Brook – ein seinerzeit in Crown Heights ziemlich einzigartiger Name. Davis fiel durch Fleiss auf, gewann dadurch ein Stipendium für die NYU und als die Eltern kurz nacheinander verstarben, warf er sich um so mehr in die Arbeit. Dies brachte ihm 1953 ein Stipendium an der Harvard Law School ein. Davis war zunächst für eine grosse Kanzlei in Manhattan tätig, doch der Job langweilte ihn. Als bei dem Plattenlabel Columbia – ein Mandant der Kanzlei – eine Stelle für einen Hausjuristen frei wurde, griff er sofort zu.
Davis bewies Verhandlungsgeschick, das er auch bei Vertragsverhandlungen mit jungen Stars wie Bob Dylan und Barbra Streisand bewies. Er machte schnell Karriere und wurde 1967 Präsident des damals noch auf Jazz, Klassik und den Broadway spezialisierten Labels. Das Monterey-Popfestival im gleichen Jahr wurde ein Heureka-Erlebnis: Neben Auftritten von Jimi Hendrix, The Who und Grateful Dead war Davis besonders angetan von Janis Joplin, die er unter Vertrag nahm. Spätere Musik-Giganten wie Bruce Springsteen und Billy Joel folgten und brachten Columbia immense Gewinne.
Dem rasanten Aufstieg folgte 1973 ein abrupter Wechsel, als ihm die Veruntreuung von Firmengeldern für die Bar-Mizwa-Feier seines Sohnes an andere private Zwecke vorgeworfen wurde. Davis bekannte sich nach langwierigen Prozessen schuldig, 2700 Dollar nicht ordnungsgemäss verbucht zu haben und brachte die Affäre so hinter sich. Er setzte damals schon zu einem brillanten Comeback an und gründete sein eigenes Label, Arista Records. Davis konnte grosse Akts wie Aretha Franklin verpflichten und deren Karriere neu beleben. Sein grösster Star wurde die damals 19-jährige Whitney Houston (Link).
Davis blieb bis in die letzte Zeit als Elder Statesman der Branche aktiv und bewies immer wieder eben sein Talent für Hits – oder Potentiale von Performern dazu. So hat er Paul Simon und Art Garfunkel 1970 gegen deren Einwände dazu bewegt, nicht das beschwingte «Cecilia» als erste Single ihres Albums «Bridge Over Troubled Water» als Single auszukoppeln: Die Platte verkaufte sich allein in den USA erstaunliche acht Millionen Mal, gewann die Grammys für den besten Song und die beste Aufnahme und wurde eine Hymne der vom Vietnam-Krieg und Grossstadt-Unruhen aufgewühlten Epoche.
Davis hat in Interviews betont, wie wichtig es für seinen Job sei, ein Gespür für Menschen, aber vor allem auch eine grundsätzliche Offenheit zu haben. Dies sei schon ein Rat seiner Mutter gewesen: «Man muss unter die Leute gehen. Man muss von Menschen aus allen Lebensbereichen, aller Ethnien und Hautfarben lernen.» Damit zusammenhing nach zwei Ehen auch eine Bisexualität, die er 2013 in seiner viel beachteten Autobiografie «The Soundtrack of My Life» öffentlich gemacht hat.
Nach den Terror-Attacken der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 ging er auch auf seine jüdische Herkunft ein. Viele der Opfer hätten ein Musikfestival besucht: «Ich habe es mir zur Lebensaufgabe gemacht, für Gleichberechtigung und Menschenrechte zu kämpfen – und mich für diejenigen einzusetzen, die in der Musikwelt und anderswo keine Stimme haben. Man darf zu Antisemitismus, Hass oder Diskriminierung jeglicher Art nicht schweigen» (Link).