New York City 01. Okt 2026

Betar-Aktivisten stören Lesung von Mahmoud Khalil

Intervention der israelischen Lektorin.  

Dienstagabend sind eine Handvoll Mitglieder der rechtszionistischen Betar USA mit einem Megafon, einem Schild und einer grossen amerikanisch-israelischen Flagge in den Buchladen «Book Culture» nahe dem Campus der Columbia University in Uptown Manhattan eingedrungen. Dort sollte Mahmoud Khalil über seine neuen Memoiren «No Land to Stand on» sprechen. Vorneweg war der ehemalige Betar-Vorsitzende Ross Glick, der über das Megafon verkündete: «Wir sind gegen die Intifada.» Die Gruppe wird von der Anti-Defamation League aufgrund ihrer Einschüchterungstaktiken als «extremistisch» eingestuft. 

Betar hatte laut dem «Forward» Namen pro-palästinensischer Demonstranten, darunter auch Khalils, an die US-Einwanderungsbehörden weitergegeben. Khalil hat Betar sowie die Heritage Foundation und die Canary Mission deswegen angeklagt. Er hielt sich zu diesem Zeitpunkt am Dienstag mit den Besucher der Veranstaltung im Obergeschoss des Ladens auf und hatte anscheinend keinen direkten Kontakt mit den Betar-Demonstranten. Mitarbeiter geleiteten die Protestierenden nach draussen, doch einer kehrte Minuten später zurück; er schwenkte die Flagge und sang «Am Yisrael Chai». Dabei kam es anscheinend zu einem Handgemenge.

Khalils Lektorin Riva Hocherman stammt selbst aus Israel, intervenierte und stellte die Demonstranten auf Hebräisch zur Rede. Sie teilte dem «Forward» mit: «Ich wollte unbedingt herausfinden, ob sie Hebräisch konnten – das konnten sie nicht. Sie machen mich einfach wütend.» 

Hocherman ist auf Bücher über den Nahen Osten spezialisiert und war zuvor für Rashid Khalidi an dessen «The Hundred Years’ War on Palestine» tätig. Khalils Geschichte sei «es wirklich wert, erzählt zu werden, ihm war grosses Unrecht widerfahren.» Die Memoiren stellen seine Inhaftierung durch die US-Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) im Jahr 2025 ins Zentrum. Der als Sprecher und Vermittler an den Campus-Protesten bei Columbia gegen das Vorgehen der IDF in Gaza Anfang 2024 bekannt gewordene Aktivist wurde mehr als 100 Tage lang festgehalten und avancierte zum Gesicht der Debatte über Meinungsfreiheit an Hochschulen sowie darüber, wann Antizionismus in Antisemitismus umschlägt.

In seinem Buch erklärt Khalil, der in einem palästinensischen Flüchtlingslager in Syrien geboren wurde, die pro-palästinensischen Demonstranten hätten sich friedlich verhalten, während « pro-israelischen Studenten und zionistischen Gruppen Konfrontationen provozierten, palästinensische Studenten schikanierten und sie in einigen Fällen sogar körperlich angriffen».

Die Veranstaltung wurde – nur geringfügig verzögert – ohne weitere Unterbrechungen fortgesetzt. Khalil sprach mit dem Umweltanwalt und Aktivisten Steven Donziger und beantwortete Fragen aus dem Publikum, bevor er Bücher signierte. Er erhielt stehende Ovationen von den mehr als 85 Anwesenden (Link).

Andreas Mink